Dezember 2017

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Titanium-Komplettsystem bei a4com

Auf der Suche nach einem Titanium-System (meine Lust auf Eigenbau hielt sich in Grenzen) bin ich mir mit Detlef Thielsch von a4com handelseinig geworden. Im Gegensatz zu den Vorgängerprodukten BIK (BeagleBoard-in-Kiste – in England von R-Comp als „ARMini“ verkauft), PIK (PandaBoard-in-Kiste – in England von R-Comp als „ARMiniX“ verkauft) und WBK (Wandboard-in-Kiste – in England von R-Comp als „ARMX6“ verkauft) sind beim Titanium aufgrund dessen Standard-Konformität – das Board ist kompatibel mit ATX-Gehäusen und ATX-Netzteilen, USB-Ports stehen sowohl intern als auch extern reichlich zur Verfügung, mit 4 S-ATA-Ports kann man problemlos SSD und optisches Laufwerk integrieren ohne auf USB-SATA-Adapter zurückgreifen zu müssen – keine größeren Handstände notwendig.

Folgerichtig bietet a4com nun das „TIK“ an, „Titanium-in-Kiste“. Die Preise ab 900 EUR sind geradezu ein Schnäppchen, bei R-Comp zahlt man für die „TiMachine“ denselben Betrag in Britischen Pfund, bei fragwürdigem Mehrwert (zum von R-Comp so gelobten tollen Softwarebundle werde ich zu gegebener Zeit ein paar Worte schreiben). Bei CJE sieht es beim RapidO Ti nicht besser aus. Also: das a4com-Angebot ist absolut konkurrenzfähig und empfehlenswert.

So weit, so schön. Für wen ist nun ein Titanium-System erste Wahl? Für alle, die nicht zwingend auf höchste Bildschirmauflösungen angewiesen sind („dank“ des verwendeten TI OMAP5 sind ohne einen Monitor, der die beiden Videoausgänge des Titanium „side by side“ anzeigt, maximal 1920×1200@60Hz drin – in Zeiten von bezahlbaren QHD- und 4K-Monitoren definitiv zuwenig) und den anspruchsvollen Preis nicht scheuen. Denn sowohl was CPU-Leistung (der Cortex-A15 ist nicht nur aufgrund der 1,5GHz-Taktung konkurrenzlos, sondern auch bei der Leistung pro Takt mit 3,4 DMIPS/MHz den Cortex-A9-Konkurrenten i.MX6 (Wandboard, ARMX6) und OMAP4 (Pandaboard, ARMiniX) mit lediglich 2,5 DMIPS/MHz weit überlegen – übrigens nicht nur in der Theorie, auch Benchmarks untermauern das) als auch I/O-Leistung (4 S-ATA-Ports, echtes Gigabit-Ethernet – Benchmarks folgen noch) angeht ist ein Titanium-System weit vorne. Für Budget-Fetischisten würde ich eher einen Pi3 empfehlen – 4K-Video, verhältnismäßig schnelle CPU (jedenfalls deutlich vor der Cortex-A9-bestückten Hochpreiskonkurrenz), nur bei der I/O-Leistung (Netzwerk 100MBit/s und über USB2.0, Massenspeicher über SD oder USB2.0) fällt er natürlich deutlich ab – you get what you pay for.

Praxisberichte mit Titanium vs. ARMX6 folgen hoffentlich demnächst.

Das Titanium-Board und die Suche nach dem passenden Netzteil

Der IYONIX pc war bekanntlich das erste RISC OS-taugliche Mainboard, das mit Standard-ATX-Netzteilen zusammenarbeitete. Auf dem langen Weg vom ersten Archimedes (vermutlich war die Parallelschnittstelle die einzige „standardkonforme“ Schnittstelle – die serielle war RS423 statt RS232, der Monitorausgang war 9polig aber immerhin signaltechnisch weitgehend „PC-kompatibel“, der Floppyanschluss war zwar Shugart-kompatibel aber eher wählerisch) über den A5000 (IDE, Parallel, Seriell, VGA, Floppy – alles weitestgehend kompatibel zum damaligen PC-Standard, aber immer noch die merkwürdige Acorn-Tastatur mit dem integrierten Busmaus-Anschluss) bis zum A7000 (endlich PS/2 sowohl für Maus und Tastatur) war man immer näher an die Welt der Standardkomponenten und -schnittstellen gerückt. Nur Gehäuse und Netzteil blieben bis zuletzt proprietär.

Mit dem IYONIX pc fielen auch diese beiden Bastionen – die Platine im ATX-Format, und das Netzteil dazu passend. Allerdings stellte sich bald heraus, dass der IYONIX eine echte Mimose war wenn es um die Zusammenarbeit mit der PC-Netzteil-Welt ging. Das Problem: er brauchte zu wenig Strom, vor allem auf dem 12V-Zweig. Und so war es eine gute Idee, das Gehäuse mit Platten und Brennern vollzustopfen, was dann die häufigeren Problemchen beim Kaltstart weitestgehend eliminierte.

Das Titanium-Board von Elesar ist in gewisser Hinsicht der natürliche Nachfolger des IYONIX. Nicht nur, weil das Hauptdesign von derselben Person stammt. Sondern auch weil das Board eben in gewöhnliche ATX-Gehäuse passt und mit ATX-Netzteilen zusammenspielen soll. Soll. Denn ganz so einfach ist es auch diesmal nicht. Die Basisanforderungen scheinen noch einfach zu erfüllen zu sein: ATX 2.3 oder neuer muss es sein, und der Mainboard-Connector ist der ältere 20Pin-Typ, so dass nur Netzteile mit der 20+4-Konfiguration in Frage kommen. 4 S-ATA-Stromstecker wären auch gut, denn das Board unterstützt bekanntlich (und das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal) 4 S-ATA-Geräte. Aber wie immer steckt der Teufel im Detail.

Inzwischen ist die PC-Welt ja bezüglich des Leistungsbedarfs eines Rechners weit enteilt. Unter 400W kann man ja fast nur riskieren, wenn man mit Chipsatz-Grafik auskommt und nicht allzu viele Laufwerke betreiben will. Beim Titanium wäre ein 200W-Netzteil eher angebracht. Und Schaltnetzteile brauchen nun mal in den meisten Konstruktionen eine gewisse Mindestlast, um sicher anzuspringen und stabile Spannungen zu liefern. Ironischerweise gab es zuletzt ein Update an der PC-Front, damit die Netzteile auch die extrem stromsparenden C6/C7-„Deep Power Down“-Modi der Intel-Prozessorgeneration ab Haswell funktionieren.

Drei Netzteile habe ich mit dem Titanium-Board zusammen getestet: ein No-Name-550W-Netzteil, ein be quiet! Pure Power 10 300W und ein be quiet! Straight Power 10 400W. Ergebnis: nur das Straight Power 10 funktioniert ohne Macken und Zucken mit der von mir definierten Minimallast „Titanium-Board und SSD“, die anderen Kandidaten brauchten nicht weniger als 3 Brenner, bis der Startup absolut zuverlässig funktionierte. Ob das mit dem laut Datenblatt „Zero Load Design“ zu tun hat, weiß ich nicht – eine Gegenprobe mit dem preiswerteren System Power 8 wäre interessant, das Pure Power 10 hat dieses Feature nicht.

Das Straight Power 10 ist auch sonst eine absolute Empfehlung. Der 135mm-Lüfter ist nahezu unhörbar, es hat absolut ausreichend Anschlüsse für S-ATA-Geräte sowie althergebrachte Molex- und Berg-Stecker (auch in S-ATA-Zeiten oft noch nützlich für Zusatzgeräte wie interne USB-Hubs oder Cardreader). Bisher bin ich so zufrieden, dass das Straight Power wohl auch den Weg in meinen nächsten Selbstbau-PC finden wird. Die fünf Jahre Herstellergarantie sind ebenfalls vertrauenserweckend.