Software

Anwendungen und Tools rund um RISC OS

Aemulor 2.40 ist da

Adrian Lees hat sein Versprechen wahr gemacht und hat aktuelle Entwicklungsversionen von Aemulor für alle relevanten Plattformen veröffentlicht. Hier gehts zu den Downloads. Zum ersten Mal ist auch der Pi3 (Cortex-A53, ARMv8) unter den unterstützten Plattformen. Ebenfalls sollte diese Aemulor-Version nun mit den neueren RISC OS-Versionen zurecht kommen – Stichwort Zero Page Protection und High Vectors.

Alle Plattformen, für die es jemals Aemulor gab? Nein, die Formulierung „alle relevanten Plattformen“ war mit Bedacht gewählt. Denn der A9home ist nicht darunter…arme kleine blaue Kiste.

 

20 Jahre CD(VD)Burn

Man schrieb den 31.Oktober 1997. In London fand die Acorn World statt, und CDBurn wurde dort im Vertrieb von WSS (Warm Silence Software) zum ersten Mal öffentlich vorgestellt.

Man erinnere sich zurück: es war die letzte Acorn World, der Risc PC war noch „state of the art“ und hatte gerade durch den StrongARM eine Frischzellenkur erhalten. CD-Brenner waren teuer und nur als SCSI-Geräte erhältlich. CD-R-Medien kosteten mindestens 10 DM, oft auch 15 DM. 74min/650MiB waren die maximal erhältliche Kapazität. Fast unendliche Weiten in Zeiten, wo die Festplatten noch im deutlich einstelligen GB-Bereich unterwegs waren, vor allem in der Geschmacksrichtung SCSI waren 2 GB schon fast High-End. Ironischerweise wurde die Software selbst noch auf Floppy Disc verkauft. DD 800 KiB wohlgemerkt.

Der einzige unterstützte Brenner war der Philips CDD2000, die Variante CD2600 folge kurz darauf. Ich hatte damals das Glück, dass ich einen Brenner gekauft hatte, der eine öffentlich zugängliche Doku zum Command Set hatte – die Konkurrenz von Teac, Sony und Yamaha war da wesentlich verschlossener, man musste tatsächlich NDAs nach USA faxen, und die Antwort brauchte teilweise Monate. Von Teac habe ich bis heute nix gehört.

Die erste CDBurn-Version war „gerade so“ fertig geworden (und meine Entscheidung, die Software in Ada zu schreiben, ist im Rückblick auch nur durch eine Mischung aus Optimismus und Wahnsinn zu erklären) – die Audio-CD-Funktionalität war schon recht ausgereift, aber bei den Daten-CDs haperte es noch gewaltig. Es gab noch keine Möglichkeit, ein ISO-Image zu erzeugen, ehrlicherweise war es deshalb auch die Versionsnummer 0.99 – deshalb wurde ein quick’n’dirty port von mkisofs beigelegt, um zumindest nominell dieses Feature abhaken zu können. Auf der Acorn World sprach ich mit vielen potenziellen Käufern und versprach baldige Lieferung des ISO9660-Formatters – ein Versprechen, das viele vom Kauf überzeugte und das ich Gott sei Dank noch im selben Jahr mit dem Release 1.00 (ein kostenloses Update) halten konnte.

Einzige Konkurrenz damals war CDScribe von Eesox – die verkauften aber die Software nur im Bundle mit dem Laufwerk, und dieses auch noch gut doppelt so teuer wie das Laufwerk alleine kostete. Audiotechnisch war die Software auch stark unterbelichtet, und der beigelegte ISO9660-Formatter war auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Vermutlich deshalb eroberte CDBurn den Markt im Sturm, obwohl gemessen an der PC-Konkurrenz doch eher featurearm und nicht billig.

Über die Jahre wurde featuretechnisch kräftig aufgerüstet, die Updates blieben kostenlos: Multisession-Unterstützung, Joliet-Unterstützung und konfigurierbares Namemapping für ISO9660, CD-RW-Unterstützung, Unterstützung aller MMC-kompatibler Laufwerke, IDE-Unterstützung für Risc PC/A7000, APDL/Microdigital und Simtec/RiscStation, Upgrader um endlich neue Versionen per Download anbieten zu können, und schließlich 32bit-Kompatibilität und Unterstützung für den IYONIX pc. Abfallprodukt der IYONIX-Kompatibilität war die abgespeckte Version CDBurn Lite, die jedem Castle IYONIX pc beilag.

Besonders die 32bit-Kompatibilität halte ich bis heute für ein Wunder, das nur durch Dummenglück erklärbar ist. Klar, es hilft auch, wenn man einen Martin Würthner kennt, der mal kurzerhand eine GNAT-Runtime patchen kann. Aber dass das ARM-Backend des GCC 2.7.2.1 tatsächlich ARMv8-kompatiblen Code erzeugen kann, ist auch als so ein Wunder zu bewerten.

2004 gründete ich dann hubersn Software, um den Vertrieb in die eigene Hand zu nehmen. Es folgte die Integration der DVD-Unterstützung für die neue Generation DVD-Brenner, was die Umbenennung in CDVDBurn nach sich zog, um schon namentlich klar zu machen, dass nun sowohl CDs als auch DVDs gebrannt werden konnten.

Und damit endet die Geschichte der offiziellen Releases – bis heute sind die Ergebnisse der weiteren Entwicklung nicht in einem neuen Release gemündet, sondern werden nur an Interessierte als Beta-Testversionen verteilt. Dazu gehört die DVD-RAM-Unterstützung, die USB-Unterstützung für RISC OS 5, die Blu-Ray-Unterstützung, der CD/DVD/Blu-Ray-Extraktor, die ARMv7-/ARMv8-Kompatibilität für die neue Hardware-Generation vom BeagleBoard bis zum Raspberry Pi 3, die Unterstützung für das neue S-ATA-taugliche ADFS im Titanium.

Der letzte Plan war, all diese Erweiterungen in einem „20th anniversary release“ zu bündeln, aber es fehlte etwas Zeit, um die Sache abzurunden: BD-R und BD-RE in der Dual-Layer und XL-Variante ist noch nicht unterstützt, DVD-R kann nach wie vor nicht geschrieben werden, und an der Kompatibilität mit den modernen (sprich: noch im Handel verfügbaren) Laufwerken hapert es auch noch. Ziel wäre, ein USB-Laufwerk und ein S-ATA-Laufwerk zu finden, mit dem problemlos CD-R/CD-RW/DVD+R/DVD+RW/DVD-RAM/BD-R/BD-RE geschrieben werden können.

Sollte es doch dieses Jahr noch ein Release geben – Arbeitstitel „CDVDBurn 3“ – Leser dieses Blogs erfahren es als erste.

Zap und ARMv8

Während StrongEd von Fred Graute kontinuierlich weiterentwickelt und ständig an neue CPU- und OS-Erfordernisse angepasst wird, liegt Zap maintenancemäßig seit längerer Zeit brach. Tank hat initial die 32bit/ARMv7-Version gebaut und ein paar aufgetauchte Bugs gefixed, dann hat André Timmermans Bugfixes beigesteuert, und nun hat Rick Murray ein paar ARMv8-Showstopper bereinigt (siehe dieser Thread im ROOL-Forum).

Im August letzten Jahres hat Ex-Zap-Mitentwickler James Aylett das Zap-CVS nach Git konvertiert und auf GitHub zur Verfügung gestellt. Ein „offizieller“ neuer Maintainer hat sich leider noch nicht gefunden – es bleibt zu hoffen, dass die Zap-Interessierten das irgendwie koordiniert kriegen und sich nicht gegenseitig mit lokalen Änderungen und insonsistenten Patches und Versionen ins Knie schießen.

Als überzeugter StrongEd-Benutzer greife ich trotzdem ab und zu auf Zap zurück, wenn ich nicht gerade Ada programmiere, es wäre schlicht eine Schande wenn ein solch feines Stück Code nicht mehr in einer aktuellen und gepflegten Version zur Verfügung stünde.

Leider hat sich auch noch keiner gefunden, der den Zap-Ada-Mode nach 32bit konvertiert…leider bin ich kein routinierter Assembler-Programmierer, wird vielleicht Zeit die alten Kenntnisse wieder aufzufrischen.

Neue VNC Server-Version

Der einzige verfügbare VNC-Server unter RISC OS, derzeit bei Tausendsassa Jeffrey Lee in der Pflege, hat ein Update erfahren. Zwei signifikante Bugs wurden gefixed: er funktioniert nun auch, wenn der Bildschirmspeicher auf non-packed-scanlines basiert (existiert so derzeit nur auf dem Pi, für Details siehe hier). Und es wurde ein Bug beim Clipboard-Handling im RAM transmit protocol gefixed, der im Zusammenspiel mit StrongEd aufgefallen war.

Ich selbst benutze den VNC-Server auf meinem ARMX6, um bequem vom Laptop im Wohnzimmer auf RISC OS zugreifen zu können. Funktioniert immer besser über die Jahre – die ersten Versionen von VNC Server waren nahezu unbrauchbar, vor allem bei großen Farbtiefen und Auflösungen. Inzwischen funktioniert das leidlich gut.

ADFFS 2.62 verfügbar

Man mag mir meine kurze Blog-Abstinenz verzeihen, ich hatte kurzfristig mit einem entzündeten Schleimbeutel im Ellenbogen zu kämpfen. Zum Wiedereinsteig gibt es natürlich nichts besseres als ein altes Lieblingsthema von mir: ADFFS.

Gar nicht lange nach 2.61 hat Jonathan Abbott heute die Verfügbarkeit von Version 2.62 verkündet.

Es kehrt mehr Benutzerfreundlichkeit ein – ADFFS ist nicht mehr länger auf ein aktives SparkFS angewiesen, um die JFD-Images zu lesen, die technisch ja nichts anderes als ZIP-Archive sind. Das ist in vielerlei Hinsicht positiv – viele Problemmeldungen von Benutzern hatten mit nicht aktivem SparkFS zu tun, d.h. Jon hat jetzt weniger Arbeit beim Support. Zudem ist es speichertechnisch vor allem auf den alten Maschinen ein Segen, obwohl SparkFS jetzt kein ausgewiesener Speicherfresser war. Aber bei einem typischen Maximum von 4 MiB RAM zählt jedes Byte.

Weitere Verbesserungen im Detail beziehen sich vor allem auf die Kompatibilität mit neuesten RISC OS 5.23 Nightly Builds, wo es ja erneut Änderungen am Handling der Zero Page gab (Beitrag folgt noch). Bugfixes für einige Spiele sind auch inklusive, z.B. für Stunt Racer 2000 sowie einem Spiel, das m.W. in Deutschland immer noch nicht genannt werden darf.

Also: 2.62 runterladen und Spaß haben. Nicht vergessen: auf den Pis muss EDID deaktiviert werden, damit die GPU das Scaling übernimmt.

ADFFS 2.61 verfügbar

Ein gutes halbes Jahr ist vergangen seit dem Release von Version 2.60, und so hat Jonathan Abbott nach zahllosen Verbesserungen und Bugfixes heute die Verfügbarkeit von Version 2.61 verkündet.

Hauptänderung ist die Verwendung eines 26bit-BASIC-Moduls unter JIT-Kontrolle anstatt des bisherigen Ansatzes, das Original Maschinen-BASIC zu patchen. Außerdem wurden viele der Patch-Skripte verbessert, so dass nun eine ganze Reihe Spiele problemlos auf dem Pi laufen – Highlights sind hier sicherlich die StrongARM-Versionen von Chocks Away Compendium und Stunt Racer 2000, sowie Syndicate+ und X-Run.

Also, runterladen und ausprobieren. Läuft inzwischen auf jedem Pi inklusive des ARMv8-RPi 3. Man muss eigentlich nur beachten, dass bei zu neuen RISC OS-Versionen die Umschaltung der Auflösung weiterhin von der Pi-GPU übernommen wird, damit AnyMode sein Werk tun kann. Dazu braucht es die Zeile disable_mode_changes in der CMDLINE.TXT im Pi-Bootloader. Besitzer eines klassischen Archimedes müssen sich um solche Feinheiten natürlich nicht kümmern, dürfen zum Ausgleich aber lange Ausschau nach einem funktionierenden Monitor halten.

ADFFS 2.60 verfügbar

Jon Abbott hat die Verfügbarkeit von ADFFS 2.60 verkündet. Wichtigste Neuerung ist die neue Implementierung der 50Hz-Synchronisation, um die originale Spielgeschwindigkeit in Verbindung mit tearing-freier Grafikdarstellung zu ermöglichen. Dazu kommen reichlich Bugfixes und die Vervollständigung der Kompatibilität auf den Pis zu solch großartigen Spielen wie Mig 29M Fulcrum oder Interdictor.

Leider zickt mein A3000 gerade etwas, so dass ich meine Testaktivitäten wohl hin zum RPi verlagern werde. Erste Maßnahme: Grafikausgabe auf echte 50Hz einstellen, ich hoffe mein Monitor spielt da mit.

Fireworkz 2.20 verfügbar

Stuart Swales hat die Verfügbarkeit der neuesten Version von Fireworkz verkündet. Detaillierte Informationen über die enthaltenen Änderungen kann man in der Release History nachlesen. Hervorzuheben scheint mir die jetzt integrierte Unterstützung fürs „Global Clipboard“. Fireworkz wirkte in der Vergangenheit – vermutlich aufgrund der Tatsache, dass es von Anfang an eine cross-platform-Software war – nicht immer optimal in RISC OS integriert. Da ist die Unterstützung für das Clipboard ein sehr guter Schritt. Die interne Struktur der Application wurde nun auch RISC OS-artiger gestaltet, mit separierten Sprites und der üblichen Ressourcen, mit der Vorbereitung für anständige i18n-Möglichkeiten.

Letzteres mag gar dazu führen, dass irgendwann eine eingedeutschte Version möglich ist – dann schließt sich der Kreis, meine erste RISC OS-Anwendung war die deutsche Version von PipeDream 3.

Die neue Version wird wie immer auch über !PackMan bereit gestellt.

ADFFS 2.59 verfügbar

Jon Abbott hat die Verfügbarkeit von ADFFS 2.59 angekündigt. Ab sofort wird der Raspberry Pi 3 (ARMv8, AArch32) unterstützt, und die Unterstützung für den RPi 2 (ARMv7) ist nun vollständig – was in der Theorie auch die Lauffähigkeit auf OMAP3 (BeagleBoard, BeagleBoard-xM, OpenPandora, BIK, ARMini), OMAP4 (PandaBoard, PIK, ARMiniX, PandaRO), iMX6 (ARMX6) und OMAP5 (Titanium, IGEPv5, TiMachine, RapidO Ti, RapidO Ig) ermöglicht, aber weitgehend ungetestet ist.

Auf den 32bit-Plattformen (also auch dem IYONIX) sollte nun durchgehend per Ctrl+Shift+F12 die Rückkehr aus dem Spiel zum Desktop möglich sein.

Ich bin inzwischen auch Teil des JASPP und unterstütze das Projekt durch Testaktivitäten – im Moment prüfe ich alle möglichen Spiele auf dem A3000 auf Lauffähigkeit mit ADFFS 2.59. Danach ist der RPi 3 dran.

Zeitgleich mit ADFFS 2.59 wurden auch noch folgende Spiele im Rahmen des JASPP freigegeben:

  • Blaston (1991) (Eterna)
  • Cartoon Line part one (1991) (Eterna)
  • Empire Soccer ’94 (1995) (Empire Software)
  • Oh, No! More Lemmings (1992) (Krisalis Software)

Spieleseitig sollte ADFFS nun (bis auf die unvermeidlichen Bugs) feature-complete sein – aber das Projekt heißt ja „software preservation“ und nicht „games preservation“. Mal sehen, was sich Jon als nächstes vornimmt. Er hat immer wieder angedeutet, auch WIMP-Dinge über ADFFS emulierbar zu machen.

StudioSound ist zurück

Der Beitrag zum Ausflug der GAG-Abordnung zur Classic Computing 2016 lässt noch etwas auf sich warten – in der Zwischenzeit eine neue Ausgabe der Reihe „Totgeglaubte Software kehrt zurück“.

Henrik Bjerregaard Pedersen hat einen Lauf. Nach der Wiederauferstehung von ProSound hat er jetzt sein zweites Baby namens StudioSound fit für die neue RISC OS-Welt gemacht. StudioSound ist ein 32-Track-Sequencer für Digisample-Schnipsel.

Mal sehen, ob er auch seinem dritten Baby – CineWorks – zu einer Neuauflage verhelfen kann. Wer will, kann schon mal das Handbuch probelesen. Archive.org hat die CineClips-CD im Angebot. Auf Henriks Homepage ist die alte 26bit-Version verfügbar.