Classic Computing 2016 (1) – Der Plan

Am 17. und 18. September 2016 findet die Classic Computing 2016 in Nordhorn statt. Unser loser Zusammenschluss von Acorn- bzw. RISC OS-Enthusiasten, der seit ewigen Zeiten als GAG (German Archimedes Group) firmiert, wird dort auch einen kleinen Stand bemannen, um dem geneigten Retro-Publikum die wunderbare Welt von RISC OS näher zu bringen.

Grob habe ich folgenden Plan gefasst, was die zu präsentierende Hardware angeht:

  • Acorn A3000 als Vertreter der originalen Archimedes-Hardware – ARM2, IOC, MEMC1a, VIDC, 4 MB RAM, „single floppy“ – also keine Harddisc oder so neumodischer Schnickschnack. Dafür mit dem LogikJoy-Interface (RTFM-kompatibel, falls das noch jemand was sagt) ausgestattet, damit man zwei anständige Joysticks (aka Competition Pro) anschließen kann um zünftig Sensible Soccer spielen zu können. Die klassische eckige Logitech-Maus ist natürlich auch dabei, weil man will ja Zarch, Aldebaran und Spheres Of Chaos angemessen steuern können.
  • MiST als Vertreter der heutigen Retro-Hardware-Generation Marke FPGA. Der Archimedes-Core ist zwar noch nicht sonderlich weit entwickelt, aber für eine Runde Zarch sollte es reichen.
  • Raspberry Pi als Vertreter der modernen RISC OS-fähigen Hardware, aber dank Software wie ADFFS, ArcEm und ArchiEmu auch für Retro-RISC OS-Zwecke sehr brauchbar. Wegen ADFFS wird es wohl ein Raspberry Pi B+ werden.

Interessant wird, geeignete Monitore aufzutreiben – der A3000 bräuchte schon einen 15kHz-Multiscan-Monitor für den echten Retro-Genuss. Vielleicht funktioniert es ja über den Scart-Eingang meines 22″-TFT, denn auf Röhrenmonitore herumtragen habe ich nicht wirklich Lust.

ADFFS 2.57 beta verfügbar

Jon Abbott war nicht faul in den letzten Wochen und hat die Verfügbarkeit von ADFFS 2.57 beta angekündigt. Die neue Version ist im Prinzip ein Bugfix-Release, das aber ebenfalls die Kompatibilität dahingehend verbessert, dass die folgenden Spiele auf dem Raspberry Pi 1 nun lauffähig sind:

  • Arcade Soccer
  • Burn Out
  • DinoSaw
  • Deadline
  • Magnetoids
  • Overload
  • Simon the Sorcerer
  • X-Fire

Burn Out war damals für mich eine der größten Spiele-Enttäuschungen unter RISC OS. Von der Präsentation her (Grafik, Sound) sehr professionell für ein „Eigengewächs“ (also keine Portierung eines bekannten Amiga/Atari ST-Spiels), ließ es jegliche Spielbarkeit und damit Spielspaß vermissen.

Magnetoids (made by Frank Föhl, später bekannt für die beeindruckende Demo von Iron Dignity, das leider nie für RISC OS erschien), eine 3D-Asteroids-Variante, hatte mir ursprünglich auch wenig Vergnügen bereitet, bis mir Frank mal bei einem unserer Acorn-Treffen im Wilden Süden zeigte, wie das *richtig* gespielt wird. Ein echter Augenöffner. Frank hatte damals auch eine etwas erweiterte Version im Gepäck mit deutlich verbesserter Grafik (statt der eher eckigen Anmutung mit einfarbig gefüllten Flächen hatte es nun eine schöne runde Anmutung mit sauberem Texture Mapping und coolen Reflektionseffekten), leider scheint die aufgrund der Rechteproblematik niemals veröffentlicht worden zu sein.

Zurück zu ADFFS – neben dem Raspberry Pi ist auch für die StrongARM RiscPC-Plattform etwas getan worden, die meisten unterstützten Spiele laufen jetzt auch hier fehlerfrei. Also: runterladen und eine Runde Retro-Zocken einlegen.

Noch frischeres Fireworkz

Vielleicht sollte ich den Blog umbenennen in „Der Colton-Software-Blog“. Scheinbar liefert die letzten Tage und Wochen nur Stuart Swales wirklich berichtenswertes aus der RISC OS-Welt. Nein, das ist natürlich nicht wahr, wie man unschwer bei der ArcSite nachlesen kann. Diverse Software wurde auf die neuen Sprite-Formate für die Cortex-A15-Maschinen angepasst (Ovation Pro, DPingScan, Snapper, ConvImgs), und die Arbeiten für die Anpassungen von UnixLib-nutzender Software für den Raspberry Pi 3 (der uns allen (wieder mal) klar gemacht hat, wie wenig Rücksicht ARM auf Rückwärtskompatibilität nimmt) nicht zu vergessen. Außerdem ist RISCOS Open Ltd. 10 Jahre alt geworden, und die (oder das?) JPEG-Update-Bounty wurde erfolgreich abgeschlossen.

Zurück zu Fireworkz. Version 2.10.0 wurde released. Folgt Stuart Swales der Idee der semantischen Versionierung, haben wir hier ein Minor-Update am Start, also nicht nur bloßes Bugfixing, sondern auch das eine oder andere neue Feature. Hier kann man die Details nachlesen. Verbesserte Excel-Kompatibilität sowie Erweiterungen beim Grafik-Import sind nennenswert, dazu ein Sack voll Bugfixes.

Frisches Fireworkz, frisches PipeDream

Stuart Swales hat neue Versionen an den Start gebracht: Fireworkz 2.00.04 und PipeDream 4.55.

Während die neue Fireworkz-Version ein klassisches Bugfix-Release ist, gab es bei PipeDream etwas größere Verbesserungsarbeiten: Verbesserungen beim Grafik-Import (Vector, Sprites, JPEGs, bei anderen Formaten wird ggf. ChangeFSI bemüht), und die im Draw-Format exportierten Charts sind nun PRM-konform und können nicht nur im bekannt nachsichtigen !Draw, sondern auch in Vector und – ironischerweise – in Fireworkz importiert werden. Außerdem neu (glaube ich wenigstens – das wäre mir doch aufgefallen?) – beide sind jetzt unter der MPL lizenziert.

Also, runterladen. Kost‘ nix. Beide Softwarepakete sind auch über PackMan verfügbar.

Fireworkz ist wie immer simultan auch in derselben Version für Windows verfügbar.

Update kaum gepostet, schon veraltet – Fireworkz 2.00.05 wurde einen Tag später veröffentlicht, mit kleinen Verbesserungen beim Excel-Import.

Alte Spiele, neues ADFFS

Jon Abbott hat das Release der neuesten Version von ADFFS, 2.55 beta, verkündet (hier das passende JASPP-Forum-Posting dazu mit allen Details).

Was ADFFS macht und kann, habe ich in einigen früheren Blogposts schon beschrieben.

Was gibt’s neues? Es ist das erste Release, das den Fokus auf den Raspberry Pi legt – das Original, also nicht die Versionen 2 und 3, da sich ADFFS zunächst um die Emulation auf ARMv5-Plattformen (also eben jenem Raspberry Pi 1 (A, B, B+, Zero) und quasi nebenbei als Abfallprodukt auch dem IYONIX pc) kümmert. ARMv7-Unterstützung ist rudimentär enthalten, hat aber noch viele Einschränkungen.

Voraussetzung für die neue ADFFS-Version ist eine aktuelle Version von RISC OS 5, namentlich 5.23 nach dem 6. April 2016, und zwar ein unveränderter Build mit High-Vector-Semantik und relocated zero page. Das gilt logischerweise nicht für die auch weiterhin unterstützten klassischen Plattformen wie Archimedes und Risc PC, da tut es jede alte schäbige RISC OS-Version.

Der „Game Count“, also die Zahl lauffähiger Spiele, liegt nun bei beeindruckenden 130 – vermutlich werden selbst eingefleischte RISC OS-Nutzer Probleme haben, mehr als 50 Spiele für die Plattform zu benennen. Im Rahmen des JASPP-Projekts wurden weitere 17 Spiele zum freien Download veröffentlicht, hauptsächlich alte Minerva-Titel aus den 80ern, aber auch ein paar bekanntere Spiele von den Portiermeistern von Krisalis (Lemmings 2, Manchester United, Pipe Mania).

Besonders die nun sauber unterstützten 50Hz-Modi (auch auf dem Pi, wenn der Monitor/Fernseher mitspielt) und die vielen Verbesserungen im Sound-Bereich lassen auf erhöhten Spielspaß hoffen. Vielleicht dann auch demnächst auf den ARMv7-Plattformen.

JavaScript-JIT für Otter und QupZilla

Die Portierung von Qt5 durch Lee Noar, die die Basis für Qt5WebKit und damit die Portierungen von Otter und QupZilla durch Chris Gransden ermöglichte, steht vor dem nächsten großen Schritt. Bisher konnte die JavaScript-Engine nur im Interpreter-Modus betrieben werden. Neben dem offensichtlichen Performance-Problem war auch zu sehen, dass der Interpreter-Modus eine Menge mehr Bugs und Unschärfen hatte, schlicht weil die anderen Plattformen ihn nicht (mehr) verwenden.

Nun ist es Lee Noar gelungen, die Probleme der JavaScript-JIT-Engine weitgehend zu beheben (für Detalverliebte: Revision 7074 im GCCSDK-SVN-Repo), wie Chris Gransden mitteilt. Sogar aufwändige JavaScript-basierte Seiten wie OpenStreetMap.org scheinen nun – genügend CPU-Power vorausgesetzt (Cortex-A15 empfohlen…) – anständig zu funktionieren. Zweifellos ein großer Schritt für die RISC OS Browsing Experience.

Testversionen sollen demnächst zur Verfügung stehen.

Raspberry Pi 3 verfügbar

Heute hat die Raspberry Pi Foundation den Raspberry Pi 3 offiziell vorgestellt. Er ist bereits (im Gegensatz zum RPi Zero, der immer noch bei der Verfügbarkeit schwächelt) in kleinen Stückzahlen bei den üblichen Verdächtigen lieferbar. Preise liegen bei rund 40€.

Jetzt gibt es also harte Fakten. Die weichen gar nicht so sehr von den Gerüchten ab, die ich vorgestern eingesammelt habe:

  • SoC 1,2 GHz BCM2837 Quad-Core Cortex-A53 – also ARMv8 64bit, aber mit AArch32-Unterstützung (wichtig für RISC OS)
  • WiFi (802.11n) und Bluetooth (4.1) über BCM43438 on board

Rest ist unverändert zum RPi 2 – 1GB RAM, 4x USB2.0, 100MBit Ethernet über USB angebunden, analog Video/Audio out über Klinke, HDMI für digital Video/Audio, microSD-Slot. Es wird ein 2,5A-Netzteil empfohlen, wenn man die 4 USB-Ports voll belasten will. Alle Ports sind an der gleichen Stelle wie beim RPi B+ und RPi 2 B, die Gehäuse sind also kompatibel.

Performancetechnisch wird die Steigerung vermutlich bei 50% gegenüber dem RPi 2 liegen – etwas höherer Takt, und höhere Effizienz des Cortex-A53 gegenüber dem Cortex-A7. NEON soll deutlich schneller geworden sein.

Ben Avison hat ein paar interessante Details zur Rückwärtskompatibilität im ROOL-Forum gepostet. Es scheint diesmal kein übles Ei wie die Änderung der non-word-aligned-memory-access-Geschichte bei ARMv7 vs. ARMv6 zu geben, nur Kleinigkeiten die vermutlich nur das OS betreffen.

In Summe ist der RPi 3 eine super Sache – gleicher Preis wie bisher, und man hat die Chance preiswert einen realen 64bit-ARM zu betreiben. Mal sehen, ob oder optimistischer forumliert wann RISC OS den Sprung in die schöne neue 64bit-Welt schafft. Ohne einen maschinellen Weg, den Assembler-Code in seni 64bit-Pendant zu überführen, sehe ich da wenig Chancen.

Enger wird es nun für die teureren Angebote vom ARMX6 bis zum IGEPv5 oder Titanium. Diese haben natürlich immer noch Alleinstellungsmerkmale wie S-ATA oder Gigabit Ethernet, aber CPU-technisch dürfte der 1,2 GHz Cortex-A53 dem 1,2 GHz Cortex-A9 des ARMX6 ebenbürtig sein, und dem 1,5 GHz Cortex-A15 des IGEPv5 und Titanium zumindest auf den Pelz rücken. RISC OS-technisch hoffen wir also auf einen Raspberry Pi 4 nächstes Jahr mit einem Cortex-A72, der legt bei der Single-Core-Performance nochmal eine ordentliche Schippe drauf. Dann wird es allerdings Zeit, RISC OS die Nutzung mehrerer Cores beizubringen.

Mal sehen, ob man aus dem „hardware virtualization feature“ des Cortex-A53 was machen kann (beherrscht auch schon der Cortex-A15). Jon Abbott (Schöpfer von ADFFS) hatte dazu interessante Ideen.

Raspberry Pi 3 im Anmarsch

Der heise-Newsticker hat es vermeldet: der nächste Streich der Raspberry Pi Foundation ist im Anmarsch, im Moment von der Presse Raspberry Pi 3 getauft. Sicher scheint zu sein, dass WLAN und Bluetooth serienmäßig mit an Bord sind. Laut diesem Titelbild von der kommenden Ausgabe des MagPi-Magazins können wir uns auch auf 64bit (also ARMv8) und 1,2 GHz freuen. Laut diesem Bild einer Seite des CPC-Katalogs wird der UK-Preis bei 26,38 UKP liegen (netto vermutlich), im Innern steckt ein Broadcom BCM2837 SoC – es bleibt also beim Quadcore. WLAN und Bluetooth wird durch den BCM43143 bereitgestellt.

Ansonsten sieht er dem Raspberry Pi 2 Model B zum Verwechseln ähnlich. microSD, USB, Ethernet, Analog-Audio und -Video über die vierpolige Klinkenbuchse, 40pin-GPIO.

Die offizielle Ankündigung der Raspberry Pi Foundation steht noch aus. Aber demnächst feiert der Raspberry Pi seinen vierten Geburtstag, da wäre es doch passend.

Mal sehen, ob diesmal die Anpassung von RISC OS auch so flott geht wie beim Pi 2 und dem Pi Zero.

RISC OS Remote per VNC

Wer mehrere Rechner betreibt, wird früher oder später mit dem Thema „Remote Desktop“ konfrontiert werden, also der Möglichkeit, auf einem Rechner den Desktop eines anderen Rechners im Netzwerk anzuzeigen. Einzige Ausnahme dürfe die Linux-Kommandozeilen-Fraktion sein, die mit einer ssh-Shell auskommt.

Prinzipiell gibt es drei Technologien, die Remote Desktop erlauben: RDP („Remote Desktop Protocol“) aus der Microsoft-Ecke, X Window System als grundsätzlich netzwerkfähiges Fenstersystem auf unixoiden Systemen und VMS sowie last but not least VNC („Virtual Network Computing“, Open Source seit 1998) als plattformübergreifende Lösung aus der Zeit, als man NCs für das nächste große Ding hielt. Die Historie und Details dieser Technologien soll hier nicht Thema sein, wer Lust hat kann da ein paar Stunden Wikipedia-Recherche betreiben.

Clients für die verschiedenen Technologien gibt es für RISC OS schon sehr lange – Avalanche von James Peacock ist der vermutlich beste VNC-Client gefolgt von ViNCe von Vincent Lefevre. VNCViewer von Leo White ist leider nicht 32bit-fähig, genauso wenig wie !VNC von Simon Truss. Für RDP ist der RDPClient von Andrew Sellors das Mittel der Wahl. Auch X-Server (ja, beim X Window System ist die Terminologie „Client“ und „Server“ durchaus erklärungsbedürftig…) gab es vereinzelt, eine ultrateure Kaufsoftware von Gnome (nein, nicht der GNU Object Model Environment-Desktop), etwas eher experimentelles von Vincent Sanders und schließlich RiscX von Leo White – allesamt älteren Datums und nicht 32bit-fähig.

Sehr viel dünner sieht es auf der Server-Seite aus. Anno 2002 gab es einen VNC-Server von Henrik Bjerregaard Pedersen (Autor von ProSound, StudioSound und CineWorks), der aber sehr experimentell und langsam war und den ich zudem nie richtig ans Laufen brachte. Dieser Server wurde inzwischen gründlich überarbeitet, zunächst von David Llewellyn-Jones und schließlich von Jeffrey Lee.

Und tatsächlich ist es mir mit der neuesten Version 0.13 von Jeffrey endlich gelungen, RISC OS einigermaßen vernünftig remote bedienbar zu machen, zunächst mal (damit es nicht an der Hardware scheitert) meinen ARMX6. Versuche mit Raspberry Pi (2) und PandaBoard ES werden folgen.

Was sind die Stolperfallen? Die Performance ist bescheiden, weil RISC OS keine vernünftige Schnittstelle hat, um Interessenten mitzuteilen, was sich denn auf dem Bildschirm geändert hat (Jeffrey Lee hat in diesem Thread im RISC OS Open-Forum angedeutet, dass er hier Verbesserungen anstrebt). Es wird letztlich immer direkt in den Framebuffer geblittet. Und so muss der VNC-Server den Framebuffer auf Änderungen scannen, was logischerweise nicht besonders effizient ist. Deshalb sollte man unterstützend eingreifen und einen Bildschirmmodus mit geringer Farbtiefe wählen (256 Farben bieten sich an). Der Redraw-Performance hilft es, wenn das Pinboard einfarbig ist, weil dann viel weniger Daten übertragen werden müssen.

Interessant ist, dass die verschiedenen VNC-Viewer, die ich unter Windows ausprobiert habe, ganz unterschiedlich gut mit dem RISC OS-VNC-Server harmonierten. TightVNC, den ich bisher für VNC unter Windows und Linux verwende, wollte überhaupt nichts darstellen, sondern stürzte direkt ab nach Eingabe des Passwortes. UltraVNC, normal meine zweite Wahl, verhielt sich sehr komisch bezüglich der Darstellung des Mauszeigers und hinterließ manchmal die schwarze Silhouette des Mauszeigers irgendwo auf dem Schirm. RealVNC, eigentlich das Original, ist inzwischen mehr oder weniger Kaufsoftware geworden – vor dem Download „darf“ man erst mal ein paar persönliche Daten eingeben, um dann herauszufinden, dass die Software „for time limited evaluation only“ ist. Als Alternativen habe ich jetzt TurboVNC und TigerVNC getestet, die beide sehr gut funktionieren, bei TurboVNC ist das Fullscreen-Handling aber deutlich besser. Also bekommt TurboVNC hier meine Empfehlung.

Ein Problem sind die drei Maustasten. Es ist mir nicht gelungen, einen Viewer so zu konfigurieren, dass er schlicht die drei Tasten meines Laptop-Touchpads durchreicht. Also braucht man Notlösungen. Ich habe dazu unter RISC OS 3rdButton von Thomas Milius installiert, in einer leicht gepatchten Form von Raik Fischer um nicht die Windows-Popup-Menü-Taste (die es auf meiner Laptop-Tastatur nicht gibt) sondern die rechte Strg-Taste als Menütaste umzukonfigurieren. Ich hatte kurz versucht, einfach auf die rechte Maustaste (aka „Adjust“) zu verzichten und im VNC-Server den Modus „zweite Maustaste ist die Menütaste“ über vncserv_swap_adjust_menu 1 zu aktivieren. Aber ich habe schlicht festgestellt, dass ich ständig die rechte Maustaste verwende, insbesondere bei der Navigation durch Filer-Fenster.

Insgesamt bin ich mit der Lösung jetzt recht zufrieden, sie scheint besser zu funktionieren als über einen PC mit RPCEmu oder Virtual-RPC in Verbindung mit VNC unter Windows – RDP ist hier keine Option, weil merkwürdigerweise beide Emulatoren darüber nicht funktionieren. So richtig Spaß macht die Bedienung von RISC OS über Remote noch nicht, aber da setze ich meine Hoffnungen auf Jeffrey.

Und wer das Mausbutton-Problem besser gelöst bekommt, mag mir bitte eine Mail schreiben!

Connector-Comeback

Es war Anfang der Neunziger. Die ersten postzugelassenen Modems zu moderaten Preisen kamen auf den Markt – man wollte sich ja nicht auf die schiefe Bahn begeben durch den Betrieb dieser höchst illegalen Import-Modems – und so erstand ich ein Telejet 2400. 2400bps, MNP5, und ein wirklich schön klackerndes Relais für die damals übliche Pulswahl.

Auf dem A3000 war es gar nicht so einfach, ein anständiges (und am besten kostenloses) Terminal-Programm zu finden. Es gab Grapevine, das hatte nur partiell eine WIMP-Oberfläche für das Telefonbuch und Datei-Upload und -Download, aber die eigentliche Terminal-Emulation fand im Fullscreen statt. Und zur Dateiübertragung gab es auch nur XModem. ARCterm 3 gab es noch, lief aber nur begrenzt gut. Ich fing damit an, ein eigenes Terminal-Programm namens „LambdaComm“ zu schreiben, wurde aber nie fertig. Es gab eine partielle ANSI-/VT100-Emulation und XModem/YModem sowie die Anfänge von ZModem.

Eine Zeitlang ärgerte ich mich noch mit ZAnsi rum, kaufte dann frustriert die „RISCOS Terminals+“. Aber dann kam die Erlösung aus deutschen Landen: Andreas Zieringer veröffentlichte den Connector, ein großartiges Terminalprogramm. Flexibel, mit ZModem, und kompetenter ANSI-/VT100-/VT102-Terminal-Emulation. Und sogar CEPT für die letzten Zuckungen von BTX.

Irgendwann kam die Zeit des Internets, und Terminal-Programme wurden nur noch selten gebraucht – in meinem Falle eigentlich nur, um beim ZyXEL-ISDN-TA per XModem eine neue Firmware hochzuladen. Konsequenterweise gab es auch nie eine 32bit-Version für den IYONIX pc. Aber mit dem BeagleBoard änderte sich plötzlich die Lage – es gab einen seriellen Port, der für Debugzwecke sehr gut geeignet ist (z.B. während des Boot-Prozesses, um Ausgaben zu erhalten bevor der Bildschirm hell wird). Und um den Output zu verarbeiten, käme ein Terminal-Programm natürlich gerade recht.

Nun schreiben wir 2016, und es ist passiert: Connector feiert sein Comeback. Ich weiß nicht ob das irgendwo verkündet wurde, ich habe es beim routinemäßigen Lesen der CVS-Historie bei RISCOS Open Ltd. bemerkt. Ab sofort ist im „Bonus Binaries“-Download Connector mit an Bord.

Es werden zusätzlich die „Serial Blockdrivers“ benötigt. Ggf. auch noch der Blockdriver für den Pi.