Retro

DoReCo Party #11 – Ein Rückblick

Vergangenes Wochenende fand – unter überraschend großer Beteiligung diverser RISC OS-Nutzer – die DoReCo-Party #11 statt. Drei Tage Retro-Spaß, Freitag bis Sonntag. Mit Aufbau Freitag und Abbau Sonntag, also Samstag als Hauptkampftag. Und mitten im Nirgendwo mit dem schönen Ortsnamen “Anröchte-Altenmellrich” in der dortigen Schützenhalle. Es waren also keine externen Ablenkungen zu befürchten.

Michael Hönsch hatte die ehrenvolle Idee, das schon länger ins Auge gefasste RISC OS-Bundestreffen (mit allen noch aktiven RISC OS-Nutzern in Deutschland, also einer hohen einstelligen Zahl) dort abzuhalten – quasi die Party in der Party – und übernahm die organisatorischen Details wie Tische und Reservierung, und Herbert zur Nedden schlug vor das gleich mit dem GAG-Treffen 2019 in einen Topf zu werfen. Und so geschah es.

Typischerweise standen in der Vergangenheit die GAG-Treffen mehr im Zeichen neuer Hard- und Software und der jeweils aktuellsten Version von RISC OS. Diesmal hatte ich mir vorgenommen, passend zum Retro-Thema unserer Gastgeber (ähnlich wie damals bei der Classic Computing 2016 zu Nordhorn), eher eine Mischung aus alten und neuen Geräten an den Start zu bringen. Am Ende war es ein A5000, der per 10b2-Ethernet über Access mit einem Raspberry Pi B+ (RISC OS 5.26) und einem Core i3-Windows 7-Netbook (V-RPC Adjust, also RISC OS 4.39) redete. Dazu noch ein MISTer mit dem Archimedes-Core, der “Zarch” als Daueraufgabe bekam. Dazu zwei Monitore, und schon war der Tisch voll.

Thomas war mit an Bord mit KlappPi (einem Laptop-Eigenbau auf Raspberry Pi-Basis), BiKo (BeagleBoard im Koffer, akkubetrieben) und einer RiscStation R7500 mit der seltenen ISA-USB-Karte. Also im Prinzip drei Einzelstücke. Und Michael hatte aus dem Bereich “aktuelle RISC OS 5-Systeme” seinen ARMX6 dabei, nach wie vor eines der besten und ausgewogensten Geräte aus der neuen RISC OS-Rechner-Generation.

Einige aktuelle und ehemalige RISC OS-Benutzer kamen ebenfalls zu Besuch. Vor allem der Risc PC ist vielen noch in guter Erinnerung. Impression, TechWriter und Artworks kennen und lieben die meisten, dazu die nostalgische Verklärtheit bei der Erwähnung der PC-Karten-Lösung. Alle sind sich immer noch einig, dass RISC OS – bei all den bekannten Schwächen – was die grafische Oberfläche angeht nach wie vor der Benchmark ist. Mit Thomas L., den ich aus dem VzEkC-Acorn-Forum kannte, unterhielt ich mich wirklich lange über unsere diverse RISC OS-Hardware und die Zicken, die die alte Hardware ab und an macht.

Die erste Aufgabe: Mark (mit dem ich vorab schon Mailkontakt hatte wegen einer Acorn-Maus), ein Stammgast auf der DoReCo-Party, hatte seinen A3010 mitgebracht und wollte ein Parallelport-ZIP-Laufwerk (100 MB) anschließen. Mit Bootdiskette und so. Also eine Übung in Datentransfer zwischen alten und neuen Systemen mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad, denn mein A5000 hat unglücklicherweise einen Batterieschaden der den internen Floppy- und IDE-Controller bzw. die Buchsen und/oder was drumrum gekillt hat, und so war der direkte Weg – schreiben einer Diskette – verbaut. Zusätzliche Hürde: der A3010 hatte nur 2 MiB RAM, womit viele Ideen, die die RAM-Disc als Zwischenspeicher nutzen, direkt flach fallen. Der Plan: einen Weg austüfteln, um aus dem Internet heruntergeladene .adf- und .apd- und .jfd-Floppy-Images auf dem A3010 lauffähig zu bekommen. Nicht trivial, weil die RAM-Knappheit die Nutzung des offensichtlichen Wegs – auf einem PC auf ein DOS-ZIP-Medium die Disc-Images zu packen und dann auf dem A3010 mittels ADFFS zur Verfügung zu stellen – leider verunmöglichte. Da musste ich erst mal drüber schlafen. Inzwischen habe ich mehrere Varianten ausgetüftelt, die allerdings eher komplex erscheinen – ich werde demnächst einen eigenen Artikel dazu veröffentlichen. An alle anderen der Ratschlag: alte RISC OS-Rechner außer in Sonderfällen immer gleich mit 4 MiB RAM kaufen. Das erspart eine Menge Probleme, selbst wenn man auf den ersten Blick “nur spielen” will.

Zwischenzeitlich diskutierte ich mit dem Eigner über seine eigentliche Leidenschaft, den guten alten Commodore Plus/4, der es seinerzeit bekanntlich gegen den C64 nicht geschafft hat, sich aber in Retro-Kreisen steigender Beliebtheit erfreut (man schaue sich mal das aktuelle Spiel “Alpharay” an, ein R-Type-artiger Shooter – sehr beeindruckend). Überraschend, an wie viele Details von früher ich mich erinnerte, ohne jemals einen C16 oder C116 oder Plus/4 besessen zu haben – von den 121 Farben über den TED, BASIC V3.5 bis zur 1551. Und natürlich die nur zu sich selbst kompatiblen Spezialjoystick-Ports. Ein schrulliges Gerät, mit dem sich Acorn-Fans natürlich eher identifizieren können als mit einem erfolgreichen Produkt wie dem C64.

Beim A3010 zeigte sich auch ein momentan nicht erklärbares Phänomen: das von RetroBargains aktuell verkaufte Busmaus-USB-Adapterchen (“ArcMouse” – man beachte: die daran angeschlossene USB-Maus muss einen PS/2-Modus besitzen!) verweigerte seinen Dienst am A3010, funktionierte aber ganz prima an meinem A5000 bzw. dessen Tastatur. Sehr dubios. Kurz entschlossen tauschte ich einen meiner PS2MouseMini-Adapter inklusive klassischer Logitech-3-Tasten-ohne-Mausrad-Maus gegen den ArcMouse-Adapter nebst optischer Microsoft-USB-Maus. So kann ich demnächst mal prüfen, was dieser Adapter an anderen Gerätschaften wie einer Ur-A310-Tastatur, einem A3000 oder einem Risc PC macht. Es wäre mir nicht bekannt, dass es bei den Mäusen in irgendeiner Weise Inkompatibilitäten zwischen den verschiedenen Acorn-Rechnern gab.

Das andere Problem mit diesem A3010: zuerst war er über den HF-Ausgang mit dem Monitor verbunden, der gleichzeitig einen TV-Tuner hatte. Aber die so erzielbare Qualität ist natürlich unterirdisch. Über dessen VGA-Eingang gab es aber nix zu sehen. Dubios. Mit meinem BenQ-TFT vom A5000 funktionierte hingegen der A3010 wunderprächtig, der Videoausgang war also einwandfrei. Es stellte sich heraus: es lag am Kabel. Tausch des VGA-Kabels, und auch der Monitor des Besitzers funktionierte.

Die zweite Aufgabe: ein etwas indisponierter Risc PC, den einer der anderen Teilnehmer (Tom Phobos) mitgebracht hatte und der beim Hochfahren nur die berühmte Diskette anzeigte (für Uneingeweihte: man muss dann eine Boot-Diskette mit dem konfigurierten Territory einlegen, damit es weiter geht) – typisches Anzeichen für entweder kaputtes CMOS oder kaputtes Bootmedium. Kurze Inspektion – das Board war in sehr gutem Zustand, der Akku wurde rechtzeitig entfernt und durch einen separaten AAA-Batteriehalter ersetzt. Zwei Podules waren drin, ein MCS Connect32 SCSI-Controller und ein Simtec/STD Unipod. Eine klassische Ein-Slice-Maschine mit dem schwächeren Netzteil (70W). Als 5,25″-Laufwerk war ein SCSI-CD-Brenner eingebaut. Einen CMOS-Reset später, und die Kiste bootete sauber durch, allerdings mit mehreren Disc Error 21-Meldungen, was typischerweise auf eine Festplatte in den letzten Zügen hinweist. Es stellte sich dann aber zunächst heraus, dass der Stützakku hinüber war und die CMOS-Werte nicht behalten wurden. Kurz ausgetauscht gegen eine Eneloop Pro aus meinem Bestand – lief. Und dann begann die Jagd nach den rätselhaften Phänomenen. Wo kam der Disc Error 21 her? Erst mal die Maschine runtergestrippt und nur mit der Festplatte selbst betrieben – also ohne Podules und ohne Backplane und ohne Floppy. Ergebnis: lief einwandfrei, keine Fehler mehr. Aha. Also erstmal optimistisch wieder alles zusammengebaut, und der Fehler war wieder da. Hmmm. CD-Brenner abgeklemmt und den Connect32 rausgeworfen: Fehler ist weg. Hmmmmmm. Also mit dem Besitzer geredet und den Plan gefasst: wenn schon ein IDE-Unipod drinsteckt, und ansonsten keine SCSI-Geräte gebraucht werden, am besten ein IDE-CD-ROM einbauen. Ein paar Minuten später lagen zwei zur Auswahl auf dem Tisch, ich entschied mich für das mit dem niedrigeren Stromverbrauch – denn das schwächere Risc PC-Netzteil bringt auf der 12V-Schiene nur 2,05A, dann sind Laufwerke die da mal locker 2A ziehen nicht zu gebrauchen. Durch eine großzügige Spende eines nichtessentiellen IDE-Kabels aus meinem A5000 das Laufwerk an das Unipod angeschlossen und…Disc Error 21. Sollte es doch am Netzteil liegen? Schnell das IDE-CD-ROM mit einem externen Netzteil versorgt (und dabei festgestellt, dass der Mechanismus der Laufwerkschublade zu allem Überfluss auch nicht mehr funktionierte) und…immer noch Disc Error 21. So langsam wurde es rätselhaft. Das IDE-CD-ROM vom Flachbandkabel entfernt – immer noch Disc Error 21. Das Flachbandkabel aus dem Unipod gezogen – jetzt lief es wieder. Was??? Gegenprobe mit dem Connect32. SCSI-Kabel steckt drin -> Disc Error 21. SCSI-Kabel steckt nicht drin -> alles lief. Nun gut. Manche Phänomene muss man wohl einfach hinnehmen. Ich habe keine Vorstellung, was hier der Grund sein könnte, schließlich hing die IDE-Platte mit den Fehlern ja im internen IDE – vielleicht hätte ein Wünschelrutengänger bei der Analyse helfen können? Wie dem auch sei, der Besitzer war leidlich glücklich mit der neuen Situation – ein einwandfrei laufender Risc PC, aber eben ohne CD-Laufwerk. Man kann sich Schlechteres vorstellen. Übrigens hatte dieser Risc PC ein äußerst seltsames VRAM intus, das ich so noch nicht gesehen habe – 2 MiB, und irgendwie “asymmetrisch” gebaut. Die linke Platinenhälfte war niedriger als die rechte, die Chips links waren waagrecht angeordnet und die Chips rechts senkrecht. Keine Ahnung, was für ein Spezialteil das war.

Am Samstag gab es einige Vorträge zu diversen Retro-Themen. Besonders interessant fand ich einen Vortrag von Slamy, der über seine Entwicklung eines Spiels namens “Tiny Little Slug” für den Amiga berichtete. Ein Jump’n’Run im weitesten Sinne (Held der Geschichte ist eine Schnecke, was mit “Springen” und “Rennen” nun normalerweise nicht direkt in Verbindung gebracht wird – hier mehr Infos zum Spiel), für einen Amiga 500 in der Basisausstattung. Was bedeutet: mehr als 512 KiB RAM stehen nicht zur Verfügung. Eine echte Herausforderung, zumal das Spiel komplett in C bzw. C++ per Crosscompile mit GCC unter x86-Linux entstehen sollte. Was mich später zu einem längeren Gespräch mit Slamy veranlasste, der allerlei interessante Details zu GCC, dem 68k-Backend, Bare-Metal-NDOS-Entwicklung, AmigaOS, MorphOS und einer Toolchain-Automatisierung namens Yocto zu erzählen wusste. Kurze Abschweifungen inklusive – zu USB-Floppycontrollern, CAN-Bus, FlexRay, ARM-Core-Varianten, aktuelle Entwicklungen in der Welt von C++, Ada und GNAT…sehr erfrischend und spannend. Mit vielen interessanten Einblicken vor allem in die Welt des Amiga, wo die “backward compatibility breaking changes” noch häufiger als unter RISC OS stattgefunden haben.

Ein C64-Fan stellte mir den aktuellen Stand der Dinge an dieser Front vor. Entsprechende Peripherie vorausgesetzt, kann man sich inzwischen über WLAN in Internet-Mailboxen “einwählen”. Auf dem C64 eine besondere Herausforderung, weil die Bildschirmauflösung für eine anständige 80-Zeichen-pro-Zeile-Darstellung nicht ausreicht. Jedenfalls gibt es hier eine aktive Retro-BBS-Szene, da lohnt sich mal ein genauerer Blick drauf. Ich habe ja eine FidoNet- und Mailbox-Vergangenheit, vielleicht mal den Kollegen Stefan Brück fragen, ob er noch ein Backup der ArcPool-Mailbox (damals in Wolfsburg beheimatet) hat. In der RISC OS-Welt ist meines Wissens die Arcade BBS die einzige Überlebende der glorreichen Mailbox-Zeit.

Interessant auch ein Acorn BBC Model B, den mir Markus (Fragg) zeigte, der am Tube-Port einen Raspberry Pi mit dem Pi-Tube-Kit (auch als “co-processor tube hat adapter” bekannt) von RetroClinic hängen hatte. Damit kann man alle damals erhältlichen Zweitprozessoren emulieren, vom Z80 über den 80286 bis zum original ARM-Entwicklungssystem. Und als Sonderbonus der direkte Zugriff auf den native ARM des Raspberry Pi. Was man damit anfangen kann? Keine Ahnung, aber cool, dass es geht! Die gängige Demo-Software dafür ist die Executive-Version von Elite, die den Turbo-6502-Coprozessor nutzt. Ansonsten ist die Softwareunterstützung dieser Wunderwerke eher sparsam. Die für Archimedes-Archäologen hochinteressanten verschiedenen Zwischenstände der Arthur- und ARX-Entwicklung aus der ARM-Frühzeit sind meines Wissens für immer verloren.

Und sonst? Das zentrale Event war die Versteigerung diverser Gerätschaften und anderen Retro-Dingen für den guten Zweck, einem Kinder-Hospiz. Großartige Gegenstände, inspirierend angepriesen von Hellcat. Den höchsten Einzelpreis erzielte nach meiner Erinnerung die handsignierte Debüt-CD von Chris Hülsbeck. Sehr cool fand ich ein Space-Invader-Mosaik aus 3,5″-Disketten. Großen Zuspruch fand auch ein holzfurniertes C64-Gehäuse, das ein Vereinsmitglied gebastelt hatte. Und zwischendurch beispielsweise der limitierte, goldene USB-Competition-Pro-Joystick oder auch das Spiel Top Gun auf Kassette für den C64. Das blieb im Gedächtnis. Zwei optische Highlights unter den Ausstellungsstücken will ich auch noch erwähnen: eine handgestrickte Abdeckung für den C64 (hier neben anderen Fotos auf Seite 3 zu finden) und ein beleuchteter Sinclair Spectrum in Transparenz-Optik, wobei die Beleuchtung das Spectrum-Regenbogenlogo simulierte (vermutlich dieses Gehäuse). Sehr cool. Die Kreativität im Retro-Bereich ist unverändert hoch.

Die gesamte Atmosphäre der Veranstaltung fand ich sehr angenehm, auch wenn in meinem fortgeschrittenen Alter die ständige Hintergrundbedröhnung durch Musik und den Versteigerungsevent etwas verstärkten Einsatz der Stimmbänder und höchste Konzentration beim Zuhören erforderte. Allerdings muss ich sagen, dass die Playlist wirklich exzellent zusammengestellt war, so dass nicht die Musik selbst störend war, sondern nur ab und an die Lautstärke. Mein Kompliment. Auch hinsichtlich der Organisation der Veranstaltung gibt es nichts zu mosern.

Außerdem stelle ich fest, dass ich es sehr genieße, mal in einer Zusammenkunft vieler Menschen NICHT der exotische Nerd zu sein. Sondern einer unter vielen. Wo findet man schon 100 oder mehr Leute auf einem Haufen, die bei der Ankündigung der Versteigerung einer Chris-Hülsbeck-CD nicht erstmal fragen “Häh? Wer soll das denn sein?” Mir kam die legendäre Szene aus dem Film “Voll normaaal” mit Tom Gerhardt in den Sinn: “Endlich normale Leute”.

Jedenfalls ist die DoReCo-Party auf der Liste der Events, bei denen man dabei sein sollte. Leider gibt es da reichlich Konkurrenz: das klassische GAG-Treffen, die Classic Computing, das Xzentrix…und es gibt eben viele konkurrierende Hobbys. Mal sehen, was 2020 ansteht.

Aktuelle Retro-Projekte

Nachdem ich einige alte Acorn-Rechner aus der RISC OS-Frühzeit mein Eigen nenne – vom A310 über den A3000 bis zum A5000 – interessiere ich mich auch für aktuelle Projekte rund um die Retro-Schätzchen. Vor allem die Verbindung der alten Welt mit aktueller Hardware interessiert mich immer – ich bin weniger der Typ für “100% Retro”, sondern will einfach rund laufende Hardware betreiben – ob es Ende der 80er schon Flash-Speicher oder optische Mäuse gab, ist mir eigentlich wurscht, zumal die Originalhardware inzwischen empfindlich teuer ist. Zentrale Informationsstelle ist für solche Projekte das Stardot-Forum Abteilung 32bit. Ich will einige davon kurz vorstellen.

Wie bekannt sein dürfte, ist das Thema “Massenspeicher” ein ständiges Ärgernis. Frühe Rechner wie der A310 oder der A3000 und auch der weit verbreitete A3010 hatten weder das damals noch verbreitete MFM/ST506 an Bord (das gab’s nur in der A4xx-Familie) noch das brandneue IDE und auch nicht die damals gängige Profi-Variante SCSI. Und die späteren Rechner mit IDE on board bis inklusive RiscPC und A7000(+) scheitern häufig an mangelhafter Kompatibilität mit heute wünschenswerten Lösungen wie SD-Cards im IDE-Adapter. Also braucht man ein IDE- oder SCSI-(Mini-)Podule. Nun sind die aber gebraucht eher rar und teuer, und im Falle von SCSI wird es durch das dann sinnvollerweise benötigte SCSI2SD noch teurer.

IanS aus dem Stardot-Forum hat deshalb ein einfaches IDE-Interface gebaut (nach dem Vorbild der alten ICS-ideA-Podules von Ian Copestake) und bietet regelmäßig sowohl Standard-Podules (alle A-Rechner außer A3010, A3020 und A4000) als auch Mini-Podules (A3000, A3010, A3020, A4000) oft inklusive IDE-Flash-Modul an. Als Software kommt John Kortinks ZIDEFS zum Einsatz, das insgesamt bezüglich Laufwerkskompatibilität und Features einen guten Ruf hat. CJE Micro’s bietet die Dinger auch an, allerdings zu den üblichen Mondpreisen.

In die gleiche Kerbe schlägt das Projekt von Dave Hitchins (daveejhitchins im Stardot-Forum), der die alten IDE-Podules von Baildon Electronics (Dave Prosser und Dave Hitchins, verkauft als Arcin und Blitz von APDL sowie als Awesome von MicroDigital) erneut in Kleinserie bauen (lassen) will. “Baildon Electronics IDE Interfaces – Replication” heißt der Thread auf Stardot zum 16bit-Podule (Arcin), und hier der Nachfolgethread zum Arcin32/Blitz/Awesome. Beide Projekte scheinen kurz vor der Fertigstellung zu sein.

Ein ambitioniertes Projekt von Stardot-User myelin hört auf den Namen “Arcflash” – hier der Thread, hier die Hardware und Software auf GitHub. Dahinter verbirgt sich eine Flash-ROM-Lösung für alle Acorn-Rechner vom A310 bis zum Risc PC. Was sich einfacher anhört als es ist, weil die Konfiguration und Position der ROM-Chips eher uneinheitlich sind – zwei oder vier Chips, unterschiedliche Sockelabstände – schwer, da eine universelle Lösung zu finden. Außerdem soll es ja “in situ” neu flashbar sein, und man will einen eigenen Bootloader haben, um beim Booten auswählen zu können, welche RISC OS-Variante man denn haben will. Bisheriger Stand: das Flashen soll über USB funktionieren, 16 MiB Flash-ROM sollen aufs Board, und der Bootloader ist wohl auch schon recht weit fortgeschritten. Zusätzlich wird experimentiert, welche Acorn-Rechner (außer Risc PC und A7000, die das von Haus aus beherrschen) mit 4 MiB ROM statt den üblichen 2 MiB umgehen können, ggf. mit einem kleinen “Patch” des Mainboards. Das Projekt scheint kurz vor der Fertigstellung zu sein.

Sowohl für RiscPC/A7000 als auch für die alten Archimedes-Kisten ist Arcflash hochinteressant. Ironischerweise hilft es auch gegen das Massenspeicherproblem, weil damit sehr einfach ein gepatchtes ADFS ins ROM könnte, das die Kompatibilität zu IDE-Geräten drastisch verbessert. Und bei den alten Rechnern kann man problemlos zwischen Arthur, RISC OS 2 und RISC OS 3.1 umschalten, sowie gegebenenfalls ein aktualisiertes RISC OS 3.2 bauen mit Wünsch-Dir-Was-Komponenten wie Nested WIMP, Toolbox-Modulen und TCPIP-Stack nebst Netzwerkkartentreiber – alles das, was beim Softload auf den Rechnern mit typischerweise maximal 4 MiB RAM richtig schmerzt. Allerdings ist es traditionell eher schwierig, ein funktionierendes ROM-Image zu bauen, umso wichtiger wäre eine Hardware, die in den eher empfindlichen Sockeln verbleiben kann während man am Entwickeln ist.

Und noch ein Projekt: eins der üblichen Probleme für alle Rechner vor dem A7000 ist das Mausproblem, vor dem Risc PC auch das Maus- und Tastaturproblem. Denn vor PS/2 gab es Acorn-proprietär (Tastatur) und Busmaus (eher selten im Rest der IT-Welt). Wäre es nicht super, wenn man – ohne absurde Mengen Geld in ein USB-Podule zu stecken oder einen der seltenen und teuren PS/2-Adapter zu ergattern – einfach so eine x-beliebige USB-Maus anschließen könnte? Genau das will Stardot-User cmj6502 per Podule lösen. Scheint aber eher noch in einem frühen Stadium zu stecken – Hardware steht, aber die Software noch nicht.

Zuletzt noch ein interessantes Projekt für die Hardware-Reparier-Front: zu Acorn-Zeiten gab es ein wirklich seltenes Stück Hardware namens “POST box”. Standardmäßig haben die Acorn-Rechner einen Selbsttest, und wenn der fehlschlägt, blinkt die Floppy-Lampe ein Binärmuster um den Zustand dieses Selbsttests zu signalisieren. Es werden aber viel mehr Informationen während des Selbsttests vor dem eigentlichen Bootprozess generiert, und eben diese sind über den POST-Port verfügbar. Es sind Bemühungen im Gange, diese POST Box nun nachzubauen auf Basis eines kleinen preiswerten Microcontroller-Boards. Hier das zugehörige Projekt auf GitHub.

Wie man sieht: die Retro-Szene ist auch im RISC OS-Bereich aktiver denn je. Es bleibt spannend.

30 Jahre Acorn A3000

Vor 30 Jahren (genauer: im Mai 1989) kündigte Acorn die Verfügbarkeit des A3000 an. Im Prinzip ein abgespeckter Archimedes A310 im damals gängigen Tastaturgehäuse (auch One-Box-Design genannt) ähnlich der zeitgenössischen Homecomputer-Konkurrenz wie dem Amiga 500 oder dem Atari ST 520/1040. Gegenüber der doch recht preisintensiven Archimedes-Geräte war der angekündigte Preis von 649 britischen Pfund geradezu sensationell niedrig – gegenüber einem Amiga 500 allerdings immer noch ziemlich hoch. In Deutschland wurden angesichts des damaligen Pfundkurses nahezu unvermeidliche 2199 DM veranschlagt.

Aber es war ja kein schäbiger 16-bittiger 68000er, sondern ein “echter” Archimedes – ARM2, 8 MHz, 1 MiB RAM. Ein “reinrassiger 32bit-RISC-Computer”, der, wie sich später herausstellte, gar nicht so reinrassig war, sondern einen sparsamen 26bittigen Program Counter sein Eigen nannte, um gleich noch 6 Flag-Bits darin unterzubringen, vermutlich um die typischerweise kritischen Interrupt-Latenzzeiten möglichst niedrig zu halten. Später fiel das Acorn (oder genauer deren Nachfolgern und den treuen Usern) auf die Füße, weil es größere Handstände beim Sprung von 26bit auf 32bit erforderte und – nach dem StrongARM-Update – die zweite große RISC OS-Software-Krise auslöste, und zum RISC OS-Split in die 26bit-Welt (RISC OS 4 und SIX) und die 32bit-Welt (RISC OS 5) führte. Aber ich schweife ab.

Wie schaffte Acorn damals diesen Kampfpreis? Durch allerhand Entfernen überflüssiger bis als weniger wichtig betrachteter Features. Beispielsweise wurde die Erweiterungsfähigkeit des A3000 gegenüber A3xx/A4xx stark eingeschränkt – statt 4 Podules konnte nur noch eines betrieben werden, und zudem stand dort nur 5V statt wie zuvor auch +/-12V zur Verfügung. Überhaupt war das ganze Design eher stromsparend ausgelegt, das Netzteil lieferte sparsame 22W. Die Floppy war 5V only, man sparte sogar am Anschlusskabel: statt den vollen 34 Polen hatte das Flachbandkabel nur 32 davon. Der serielle Port war zwar als Buchse herausgeführt, aber die beiden entscheidenden Chips (65C51 und LT1133) glänzten durch Abwesenheit und mussten ggf. nachgerüstet werden. Um auch intern Erweiterungskarten zu unterstützen, erfand Acorn kurzerhand eine 8-bit-Version der eigentlich 16-bittigen Podules und nannte sie “Mini-Podules”. Nominell konnte man die 1 MiB RAM on board nur mit einem zusätzlichen MiB auf 2 MiB erweitern. Alle Chips bis auf die genannten für die serielle Schnittstelle, die vier ROMs und der Controller für die Tastatur (ein 8051 – Intel inside!) waren eingelötet, was spätere Upgrades z.B. des ARM2 auf den ARM3 doch sehr erschwerte, zumal im Tastaturgehäuse recht wenig Bauhöhe zur Verfügung stand. Nur der Slot für die Econet-Erweiterung – der war natürlich heilig und auch im A3000 zu finden.

Serienmäßig wurde der A3000 mit dem damals fast brandneuen RISC OS 2 ausgeliefert – nach dem anfänglichen Arthur-Desaster der originalen Archimedes-Reihe ein würdiges Betriebssystem, stabil, leistungsfähig, multitaskingfähig, schnell. Erst 1992 wurde es durch RISC OS 3.10 abgelöst, mit dem der A3000 selbstverständlich aufgerüstet werden konnte.

Anno 1990 gab es dann – ungewöhnlich für Acorn in der nach-8bitter-Zeit – eine vollständig eingedeutschte Version des A3000. Deutsche Tastatur (ohne die roten Funktionstasten, die für die damaligen Acorns beinahe identitätsstiftend waren und denen noch heute gehuldigt wird http://shop.elesar.co.uk/index.php?route=product/product&path=18_63&product_id=61), deutsche Handbücher, und einige der vorwiegend englischen Softwarehäuser brachten deutsche Versionen ihrer Programme heraus. Tatsächlich war das für mich – angesichts meiner heutigen Vorliebe für die englische Sprache in allen Computerdingen überraschend – der Trigger für den Einstieg in die Acorn-Welt. Der deutsche Distributor für Süddeutschland, Anagram Systems aus München, bot einen Schülerrabatt von 200 DM an, und so fand ein A3000 in der Grundausstattung für 1999 DM den Weg in mein Computerzimmer und gesellte sich zum guten alten Schneider CPC (übrigens eine interessante Parallele – der CPC464 hatte in der englischen Variante auch eine sehr bunte Tastatur, die von Schneider für den deutschen Markt durch etwas weniger Auffälliges ersetzt wurde). Wie damals üblich kostete ein vernünftiger Monitor dazu praktisch ähnlich viel – NEC MultiSync 3D, 1333 DM. Damit war mein Budget restlos ausgeschöpft.

Weil bei 1 MiB RAM und nur mit einer 800 KiB-Floppy die Dinge oft etwas länger dauerten, konnte ich ausdauernd in den überraschend gut übersetzten deutschen Handbücher schmökern, insbesondere das BBC-BASIC-Handbuch war wirklich erstklassig. Zwei interessante Fehler in der Übersetzung sind mir im Gedächtnis geblieben: im “Welcome Guide” ging das Ohm-Symbol verloren, und so stand neben dem 3,5mm-Kopfhörer-Anschluss der erklärende Text “Anschluss für 32 persönliche Kopfhörer”. Und im “User Guide” stand als Erklärung für das CLI-Kommando “*spool on”: “Schaltet die automatische Spulfunktion ein”. Nicht hilfreich.

Der Spieltrieb wurde mit dem unvermeidlichen Zarch befriedigt, aber auch E-Type und Conqueror waren meine Favoriten. Ebenso Interdictor 2 und später das grandiose Spheres of Chaos. Nachdem ich mir dann die deutsche Version von Pipedream 3 von Colton Software gegönnt hatte (ein sehr intelligentes Produkt, das äußerst elegant eine Textverarbeitung mit einer Tabellenkalkulation integrierte), wurde klar, dass z.B. bei intensiver Nutzung der Outline-Fonts man mit 1 MiB RAM und Floppy nicht glücklich wurde. Und so kamen als Upgrades relativ schnell 4 MiB RAM, SCSI-Mini-Podule und 105MB-Quantum-SCSI-Platte ins Haus nebst externem SCSI-Gehäuse, das später auch noch einen leisen Canon-Lüfter verpasst bekam – echte Qualität, funktioniert heute noch. Damit konnte man arbeiten.

Während die A4xx-Modelle (A410/1, A420/1, A440/1) der Archimedes-Reihe z.B. dank der möglichen Coprozessor-Schnittstelle im Full-Features-Podule, der Unterstützung für Full-Width-Podules, MFM- bzw. ST506-Festplattencontroller on board, 4 Podule-Slots, gesockelter ARM-CPU und offizielle Erweiterbarkeit bis 4 MiB RAM sowie dem High-Resolution-Monochrom-Monitor-Modus noch ausreichend Alleinstellungsmerkmale hatte, sah Acorn für den A3xx keine Zukunft mehr – mit Erscheinen des A3000 wurde die Produktion nach knapp 2 Jahren eingestellt. Der A4xx wurde dann auch erst Ende 1991 durch den A5000 würdig ersetzt – der bereits Mitte 1990 erschienene A540 (der letzte “echte” Archimedes), in dem der ARM3 debüttierte, war eher dem Profi-Bereich vorbehalten und war über doppelt so teuer, auch dank SCSI-Podule serienmäßig und damals unvorstellbar großer 100 MiB-Platte.

Der A3000 bekam dann schließlich im September 1992 gleich zwei Nachfolger – der A3010 zielte mit seinen zwei eingebauten Joystickports nebst HF-Modulator für den direkten Fernseher-Anschluss auf den Heimcomputermarkt, der A3020 war eher für den Schulmarkt gedacht. Es war gleichzeitig die Geburtsstunde des “SoC”: der ARM250 vereinte in einem Chip die CPU (ARM2), den Memory-Controller (MEMC), den Video-Chip (VIDC) und den IO-Controller (IOC). Aber wer es darauf anlegte, konnte den A3000 durchaus entsprechend aufrüsten, um weiter mitzuhalten: das Sockeln des ARM2 ermöglichte die Verwendung des ARM3 bis zur 36 MHz-Variante, der VIDC-Enhancer erlaubte das Hochschrauben des Pixeltakts auf 36 MHz für 800×600 Bildpunkte bei 16 Farben und 56 HZ (SVGA!), mit der Möglichkeit eines externen echten Podules war die Erweiterbarkeit sogar besser als beim A3010 und A3020 (beispielsweise mit einem schnellen SCSI-Podule), und die Econet-Schnittstelle wurde für allerhand Erweiterungen vom Sound-Sampler über ein SCSI-Interface bis zum Joystick-Interface zweckentfremdet. Wer löten konnte, konnte gar die DD-Floppy auf HD aufrüsten – WD1772 gegen ein höher taktbares Exemplar tauschen, Taktfrequenz verdoppeln, ein wenig Software-Magie, und natürlich eine HD-fähige Floppy – fertig. Dazu gab es für mehr CPU-Bumms das Turbo-Upgrade von Ingmar Weigel http://legacy.huber-net.de/TurboA3000.zip, das es erlaubte, den ARM2 nebst dem RAM-Bus auf bis zu 16 MHz hochzuschrauben, sofern es RAM und auch die ROMs vertrugen. 12 MHz ging aber immer, 13,3 MHz fast immer. Das war nicht nur für die reine CPU- und RAM-Geschwindigkeit gut, sondern erlaubte auch das erheblich bequemere Arbeiten bei hohen Auflösungen oder Farbtiefen, da die CPU nicht ständig durch das Video-DMA ausgebremst wurde. Anno 1992 kam mein erster Laserdrucker dazu, zusammen mit dem CC TurboDriver und CCs Impression Style DTP-Software konnte man damit richtig seriöse Dokumente erstellen.

Der mir bekannte Maximalausbau des A3000 bestand aus einem auf 40 MHz übertakteten ARM3, VIDC-Enhancer, Turbo-A3000-Upgrade mit 16 MHz, HD-Floppy-Umbau, Gamer’s Upgrade (ein 4-Joystick-Port-Ausbau, der sich an den I2C-Bus ankoppelte und damit keine der wertvollen “offiziellen” Schnittstellen belegte), Econet, 4-Podule-Backplane mit nachgelöteter Decoder-Logik für den gleichzeitigen Betrieb aller Podules, gesockeltem MEMC und 8 MiB-RAM-Upgrade. Dieser Über-A3000 wohnte dann allerdings in einem handgedengelten Tower-Gehäuse, denn im Tastaturgehäuse war schlicht nicht ausreichend Platz für all diese Upgrades. Und die Hauptplatine war weit gereist: der Besitzer wohnte in Holland, er hatte mir damals das Board geschickt für den Umbau für das Turbo-Upgrade, dann ging es nach England zu Simtec für das Sockeln von ARM2 und MEMC und Einbau des 8 MiB-Upgrade, das eigentlich für den A4xx bestimmt war, und wieder zurück nach Holland.

Mein eigener A3000 war dagegen fast schon konventionell aufgerüstet: Selbst gelötetes Turbo-Upgrade auf 13,3 MHz, selbst gelöteter VIDC-Enhancer, 4 MiB RAM (es stellte sich bald heraus, dass Acorn mit dem “2 MiB RAM max” geflunkert hatte und alle Signale für ein 4-MiB-Upgrade an der RAM-Expansion-Stiftleiste verfügbar waren), LogikJoy-2-Port-Joystick-Interface im Econet-Slot, HCCS-SCSI-Mini-Podule, Serial Upgrade, und schließlich das Dual Serial Podule mit zwei 16550er für anständige Geschwindigkeiten am seriellen Port, denn der serienmäßige 6551 schaffte nur schäbige 19200 Baud, für die gerade anbrechende ISDN-Zeit definitiv zu wenig. Das Podule leistete auch später im Risc PC noch gute Dienste, denn em reichte schon ein einziger serieller Port? Das HD-Floppy-Upgrade hatte ich zwar geplant und auch alle notwendigen Bauteile beschafft, aber nie durchgeführt. Meine ersten Schritte im Internet habe ich auch mit dem A3000 gemacht, mit einem 2400bps-Modem über einen Einwählzugang an der Uni Stuttgart nebst selbstgedengeltem SLIP-Dialler. Für Telnet und FTP waren 2400bps gerade noch so erträglich, und mein Hauptaugenmerk lag damals DFÜ-technisch noch im Fido-Netz, wo ich dank Binkley und FidoMail einen Fido-Point bei der Piraten-Box von Alexander L. Kastl betrieb.

Erst 1995 wurde mein A3000 durch einen Risc PC 700 abgelöst, als das RAM zu eng, die CPU zu langsam und die Grafik zu schwach wurde. Und die langsam übermächtige Konkurrenz aus der PC-Welt schien durch die PC-Karte durch den Risc PC elegant mit RISC OS vereinbar, das ich inzwischen doch liebgewonnen hatte. Aber das ist eine andere Geschichte – hier gibt es den passenden Artikel zur Würdigung des Risc PC zu seinem 25-jährigen Jubiläum http://riscosblog.huber-net.de/2019/04/25-jahre-acorn-risc-pc/.

25 Jahre Acorn Risc PC

Vor 25 Jahren (genauer: am 1994-04-15) kündigte Acorn den Risc PC an, eine neue Generation Hardware nach dem Archimedes (A3xx/A4xx/A540/A3000) und der A-Serie (A3010/A3020/A4000/A5000/A4). Mit stark verbesserten Grafikfähigkeiten (z.B. TrueColour-Unterstützung, bis zu 2 MiB VRAM), bis zu 256 MiB RAM, verbessertem Betriebssystem (RISC OS 3.50) und zukunftsfähiger Architektur – CPU auf einer Steckkarte (zu Anfang ein 30 MHz ARM610), zweiter CPU-Steckplatz für eine zum damaligen Zeitpunkt für Q4/1994 angekündigte PC-Karte (“zwei Computer in einem”) und einem innovativen Gehäusekonzept, das eine modulare Erweiterung (quasi scheibchenweise – englische Bezeichnung: “Slice”) ermöglichte. Beim angedachten Maximalausbau mit 4 Slices war Platz für 4 5,25″-Laufwerke und 5 3,5″-Laufwerke nebst 8 Erweiterungskarten (“Podules”) und einer Netzwerkkarte (“NIC”).

Ungewöhnlich für die damalige Zeit, und vermutlich eine vorbeugende Maßnahme gegenüber eventuellen Unkenrufen, dass das wieder enden würde wie beim A540, der bekanntlich auch eine CPU-Karte hatte, aber nie ein Upgrade dafür bekam: Acorn garantierte bereits damals Upgrade-Preise für zukünftige CPUs wie den ARM700 und den ARM800. Letzterer erschien nie, weil durch glückliche Fügung bereits 1996 der DEC StrongARM mit phantastischen 200 MHz zur Verfügung stand und als das vermutlich beste Performance-Update eines Computers überhaupt in die Geschichte einging.

Die originalen Pressemitteilungen aus dieser Zeit ist immer noch bei Google Groups nachlesbar: Acorn Risc PC Press Releases

Ein echtes Zeitdokument findet sich auch auf YouTube mit der Video-Aufzeichnung des “Launch Events” in London am 1994-04-16: Acorn Risc PC Launch – 16th April 1994

Obwohl schon fertig, hatte Acorn auf der CeBIT 1994 im März den Risc PC nur der Fachpresse im Hinterzimmer gezeigt – die Jungs von ARM wussten das aber nicht und hatten einen Medusa-Prototyp auf ihrem Stand, den Eingeweihte trotz ungewöhnlichem Gehäuse sofort als den kommenden Risc PC identifizieren konnten (ohne den Namen damals zu kennen) – an der Masse der Besucher ging dieses Kleinod aber natürlich komplett vorbei. Stattdessen wurde der Risc PC auf der international unbedeutenden Education-Messe in Harrogate der “breiten” Öffentlichkeit zum ersten Mal präsentiert. Eine weitere Kuriosität in der langen Geschichte der “epic marketing fails” seitens Acorn.

Kritik regte sich recht schnell bezüglich diverser Details jenseits der üblichen Einschätzung “zu wenig für zu viel Geld” im Angesicht der berüchtigten Sparsamkeit Acorns bezüglich Hauptspeicher- und Festplattengrößen:

  • Der ARM610 mit sparsamen 30 MHz und weiterhin 4 KiB Cache war eher langsamer als sein Vorgänger ARM3, der in Spezialversionen auf bis zu 36 MHz getrieben wurde.
  • Das 2 MiB-VRAM-Maximum schien damals schon etwas knapp, denn es limitierte die mögliche TrueColour-Auflösung auf 800×600, was auf 1994 bereits gängigen 17″-Monitoren etwas schmal wirkte.
  • Dazu die Entscheidung, zwar tastaturtechnisch auf PS/2 zu wechseln, aber beim zunehmend merkwürdig anmutenden Busmaus-Anschluss zu bleiben.
  • Die Tatsache, dass die PC-Karte erst rund neun Monate später kommen sollte (tatsächlich wurde es schließlich April 1995, bis die ersten Exemplare in Kundenhand waren).
  • Die Frage, ob das doch relativ lahmelige RAM (16 MHz effektiver Systemtakt, 32bittige Anbindung) zukünftigen CPUs und vor allem dem propagierten Mehrprozessorbetrieb gewachsen sein würde.
  • Die doch recht sparsamen neuen Features in RISC OS 3.50, das insgesamt gegenüber dem fast schon drei Jahre alten RISC OS 3.10 kaum mehr als Anpassungen an die neue Hardware beinhaltete – das weckte durchaus Zweifel bezüglich der Fähigkeit Acorns, die bitter notwendigen Nachrüstungen am OS einigermaßen zeitnah vorzunehmen – verstärkt wurde das noch, als Windows 95 erschien, OS/2 beinahe schon im Massenmarkt etabliert war und Apple mit dem PowerPC auf eine leistungsfähige CPU umschwenkte.
  • Das einkanalige IDE auf dem Motherboard, vor allem nachdem durchgesickert war, dass die Medusa-Prototypen SCSI on board hatten.
  • Nur eine serielle Schnittstelle, obwohl der verbaute Multi-IO-Chip zwei davon intus hatte.
  • Die eher sparsam aufgerüstete Podule-Schnittstelle, die nun bei theoretisch 8 MiB/s (in der Praxis eher 6,5 MiB/s) ihr Maximum weit unter damals verfügbaren ISA-Busmaster-DMA-Karten erreichte, von VLB und PCI ganz zu schweigen.
  • Das schwächliche Netzteil, das der Erweiterbarkeit des Gehäuses nicht angemessen schien.
  • Die praktisch unveränderten Soundfähigkeiten (8-Kanal 8-Bit), obwohl der neue VIDC20 16bit-Sound unterstützte (das wurde später durch recht preisgünstige Upgrades korrigiert).
  • Und wieder kein Floating Point-Coprozessor standardmäßig, ja nicht mal eine CPU mit Coprozessor-Bus zur späteren Aufrüstung (das wäre der ARM600 gewesen).
  • Angesichts der möglichen 256 MiB RAM im Vollausbau wurde auch langsam klar, dass der 26bit-Adressmodus mit seiner Limitierung der Programmgröße auf 28 MiB aufgrund der althergebrachten RISC OS-Memory-Map ein Ding der Vergangenheit war – eventuell wäre es besser gewesen, schon damals den Schnitt hin zu den echten 32bit-Prozessormodi zu machen, aber Manpower war knapp und die Rückwärtskompatibilität aufgrund der Verankerung im Education-Bereich fast schon heilig, und die nicht vorhandene CPU-Mehrleistung machte eine Emulationslösung unattraktiv.

Was in Summe dazu führte, dass für einen A5000-Besitzer, womöglich gar mit FPA, 8 MiB RAM und Colour Card Gold, der Risc PC kaum eine Überlegung wert war.

Und der Preis war natürlich auch immer ein Thema, aber im Angesicht der PC-Karte für 99 UKP – damals etwa 250 DM, der Pfundkurs war deutlich günstiger für uns Deutsche als noch Anfang der 90er – relativierte sich der anspruchsvolle Preis etwas, denn schließlich kaufte man ja quasi zwei Computer in einem, einen mit RISC OS und einem mit DOS und Windows. Und einen Computer mit eingebauter Zukunftsfähigkeit.

Mein eigener Einstieg in die Risc PC-Welt – seit 1990 hatte ich einen A3000, aufgerüstet mit 4 MiB RAM, RISC OS 3.10 und SCSI – begann 1995 mit der zweiten Generation, dem Risc PC 700 mit 40 MHz ARM710, RISC OS 3.60 und der PC-Karte von Anfang an. Ein sehr rundes Gerät, die CPU deutlich schneller vor allem dank 8 KiB Cache, das RISC OS deutlich abgerundet und mit allen entscheidenden Dingen von CDFS über TCP/IP-Stack bis zu den Toolbox-Modulen und dem Draw/Paint/Edit-Triumvirat im ROM. Ein riesiger Fortschritt gegenüber dem A3000.

RISC OS-technisch wurde der Risc PC erst 2002 durch einen Castle IYONIX pc ergänzt und läuft bis heute ganz prima. Ein beständiges und letztlich im wahrsten Sinne des Wortes preiswertes Stück Hardware, aufgerüstet über die Jahre bis an die Zähne mit 287 MHz StrongARM, 128 MiB RAM, RISC OS 4.29 (aka “Select 1”), IDE-Podule, SCSI-Podule, ViewFinder-Grafikkarte, Dual-Serial-Podule und 100 MBit-Ethernet-NIC.

Edit 2019-05-15: peinlichen Schreibfehler korrigiert, den ich erst in gedruckter Form in der neuen GAG-News gesehen habe 🙁