ZIP-Laufwerke unter RISC OS

Anfang der 1990er Jahre – CD-Brenner gab es noch nicht, und USB-Sticks schon gar nicht (wie auch – USB war noch nicht verfügbar, und an Flash-Speicher in anständigen Größen war erst recht nicht zu denken) – waren ZIP-Laufwerke von Iomega mit weitem Abstand die beliebteste Art unter Computernutzern, Daten auszutauschen die nicht auf eine 1,44 MiB-Diskette passten. Davor wurden vor allem im Desktop-Publishing-Bereich oft SyQuest-Wechselplattenmedien verwendet (häufig die 44 oder 88 MiB-Variante in 5,25″, später auch die kleineren 3,5″ mit größerer Kapazität wie 105 MiB oder 270 MiB), aber nur die Iomega ZIP-Laufwerke erlangten eine solche Verbreitung, dass man mehr oder weniger sicher sein konnte: wenn was anderes als ein Diskettenlaufwerk vorhanden war, dann war es am ehesten ein ZIP-Laufwerk.

Was war der Schlüssel zum Erfolg? Unter anderem die breite Verfügbarkeit unterschiedlicher Schnittstellen, vor allem der Laufwerke mit Parallel-Port die quasi an alle damals verfügbaren Computer angeschlossen werden konnte, aber auch die Klassiker wie IDE (normalerweise ATAPI, angeblich gab es über die OEM-Schiene aber auch einige wenige echte IDE-Varianten, die wie Festplatten angesprochen wurden) und SCSI und später auch USB wurden bedient. Zusammen mit den recht preiswerten Medien sicherte das für lange Zeit die Vormachtstellung von Iomega. Bis das unselige „Click-of-death“-Problem vermehrt auftauchte: Laufwerkstotalschaden, Medium wurde auch gleich mit kaputt gemacht, und wenn man dieses Medium dann in ein anderes Laufwerk steckte, waren die Chancen groß, dass das auch kaputt ging. In den USA lief dann eine sehr teure Sammelklage gegen Iomega, von der sich die Firma nie wieder richtig erholte. Späteren ZIP-Varianten mit grö0eren Medien (250 MB, 750 MB) war nicht derselbe Erfolg beschieden, obwohl die Zuverlässigkeit stark verbessert wurde. Eigentore wie die Tatsache, dass das 750 MB-Laufwerk die traditionellen 100 MB-Medien zwar lesen, aber nicht schreiben konnte, und das 250 MB-Laufwerk die kleineren Medien zwar schreiben konnte, aber nur sehr langsam, taten ein Übriges. Und spätere Laufwerke mit eher traditioneller Wechselplattentechnik wie Jaz oder REV kamen über Randgruppennischen nie hinaus – nicht zuletzt, weil inzwischen die Konkurrenz in Form kompakter USB-Festplatten und USB-Sticks nebst CD- und DVD-Brennern ebenso zahlreich wie preiswert verfügbar war.

Wie dem auch sei – im Retro-Bereich sind die ZIP-Laufwerke weiterhin eine attraktive Option zum Datenaustausch. Laufwerke und Medien gibt es für verhältnismäßig kleines Geld bei eBay, und auch wenn die Geschwindigkeit besonders über den Parallelport eher als gemütlich bezeichnet werden kann, ist es in bestimmten Situationen (kein CD-Laufwerk, CD-Laufwerk mag CD-R oder CD-RW nicht lesen etc.) durchaus eine elegante Lösung: Parallelport-Treiber auf einer Diskette aufs Zielsystem bringen, ZIP-Laufwerk anstöpseln, und los geht’s.

Nun wäre RISC OS nicht RISC OS wenn das alles so furchtbar einfach wäre. Denn das größte Problem sind wie immer die Treiber. Bei SCSI hat man gute Chancen, dass es direkt und problemlos mit Bordmitteln funktioniert, bei IDE ist man am internen ADFS schon aufgeschmissen wegen der fehlenden ATAPI-Unterstützung, und mit dem Parallelport geht ohne zusätzliche Software gar nix. Verkompliziert wird die Sache dadurch, dass der gängigste und leicht zu findende Argo-Treiber für Parallelport-Laufwerke („IZipFS“) nur mit den Laufwerken der ersten Generation harmoniert, und das sind ausgerechnet die, die vom unseligen „Click-of-death“ am weitaus häufigsten betroffen sind.

Besser macht seine Sache der Treiber von Power-tec vom Stamm-Autor Gary Partis, der kostenlos als Read-Only-Variante „PowerZip Lite“ auch heute noch zum Download zur Verfügung steht. Ich konnte das erfolgreich am Parallelport eines Risc PC mit dem originalen 100 MB-ZIP-Laufwerk der ersten Generation sowie einem 100 MB-ZIP-Plus (kombiniert Parallelport mit SCSI-Port, funktioniert als SCSI an vielen SCSI-Podules wie Power-tec, Cumana, Eesox oder Castle) und auch einem neueren 250 MB-Laufwerk verproben. Tests an einem A3010 und A5000 stehen noch aus – auf den älteren Kisten wie A310, A410, A540/R260 und A3000 geht es leider schon hardwaretechnisch nicht, weil die keinen bidirektionalen Parallelport haben.

Erfreulicher sieht die Sache in der neuen Welt aus: die 250 MB-Laufwerke und auch vereinzelte 100 MB-Laufwerke gibt es als „bus-powered“ USB-Varianten – einstöpseln, funktioniert. Am gewöhnlichen Windows- oder Linux-Rechner ebenso wie am IYONIX, ARMX6 oder Raspberry Pi mit RISC OS 5. Wichtig zu wissen: die USB-bus-powered-Varianten sind allesamt Laufwerke der neueren Generation ohne Click-of-death-Seuche. Und damit ist mein Favorit auserkoren, falls Netzwerk oder CD „aus Gründen“ für den Datentransport ausfallen: 250 MB-USB und 250 MB-Parallelport. Zur Sicherheit habe ich auch noch einen kleinen SCSI-Tower mit Festplatte, 100 MB-ZIP-Laufwerk und CD-Brenner in der Hinterhand, wenn das Zielsystem weder bidirektionalen Parallelport noch USB aufweist. Dann muss man nur noch das SCSI-Podule der Wahl zusätzlich bereithalten, um ggf. bei Axx und A3000 eine Lösung bauen zu können, wenn Not am Mann ist in Form von Abwesenheit eines SCSI-Podules. Kaum vorstellbar, aber soll es vereinzelt geben.

Und damit schließe ich das heutige Kapitel von „Spaß beim Datenaustausch mit Retro-Systemen“ und nehme mir weiterhin vor, ein großes Kompendium zumindest für alle Acorn-32bit-Rechner zu verfassen zu diesem Themenkomplex – inklusive Datentransfer über serielles Nullmodemkabel, ZeriLink, Econet, Festplatten, Wechselplatten, und nicht zuletzt Ethernet (FTP, SMB, NFS, Access/ShareFS) mit oder ohne Nutzung von Emulatoren. Ein weites Feld.

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