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Cloverleaf Kickstarter gestartet

Viele haben vermutlich schon auf anderen Kanälen vom Cloverleaf Project gehört, initiiert von einem alten Bekannten in der RISC OS-Szene – zumindest für die, die schon zu Archimedes-Zeiten dabei waren: Stefan Fröhling, früher bekannt für die Entwicklung und den Verkauf des ersten IDE-(Mini-)Podules für Archimedes-Rechner vom A3xx/A4xx bis zum A3000 unter dem Namen “Evolution Computer GmbH” aus dem schönen Olpe im Sauerland.

Nun wurde der Cloverleaf Kickstarter gestartet, eine klassische “crowdfunding campaign”, die in der RISC OS-Szene für einige Fragezeichen gesorgt hat. Vermutlich auch deshalb, weil die Kampagne sehr viele Dinge auf einmal versucht zu tun – ich will versuchen, hier ein wenig Kontext zu liefern zur Herangehensweise von Cloverleaf, den Chancen, den Risiken und den Unklarheiten.

Stefan Fröhling war lange Zeit in der Szene nicht aktiv, grob hat er rund 20 Jahre ausgesetzt, zwischen 1998 und 2018, also “Ende Acorn” bis “RISC OS unter Apache-Lizenz freigegeben”. So eine lange Abwesenheit hat Vor- und Nachteile. Auf jeden Fall den Vorteil, nicht allzu viel historischen Ballast mitzubringen und zudem als aktiver Nutzer anderer Computersysteme und Betriebssysteme eine Idee davon zu haben, was heutzutage ein RISC OS-Neueinsteiger von einem Betriebssystem erwartet. Auf jeden Fall ist es aber auch von Nachteil, die diversen Befindlichkeiten innerhalb der RISC OS-Szene nicht so genau zu kennen. RISC OS ist ja tendenziell eher ein Einzelkämpfer-Biotop denn eine Community, die an einem Strang zieht, und die Nutzerschar ist klein, meinungsstark und sehr divers. Divers bezogen auf die Ansprüche – den einen kann die Modernisierung des OS nicht schnell genug gehen, die anderen beschwören die Wichtigkeit der heiligen Rückwärtskompatibilität und des “Anderssein” gegenüber anderen Betriebssystemen. Wer bei Erscheinen des “Style Guide” zu RISC OS 3 damals mitverfolgt hat, wie der Wechsel von Select-Copy-Move zu Cut-Copy-Paste als Paradigma der Blockoperationen heiß diskutiert wurde, wird wissen was ich meine. Oder hat vielleicht jemand noch Lust auf eine wochenlange Diskussion über Vor- und Nachteile von kooperativem Multitasking gegenüber präemptivem Multitasking? Ich bin sicher, auf Google Groups finden sich noch die Threads aus dem Usenet, comp.sys.acorn.* war damals viel frequentiert, lange bevor diese neumodischen “Webforen” auftauchten.

Und da sind wir schon bei einem wichtigen Punkt der Cloverleaf-Idee: Stefan geht aus von den Bedürfnissen eines RISC OS-Neueinsteigers und hat sich überlegt, was denn in und um RISC OS fehlt, um zumindest vom Prinzip her ein OS bereitzustellen, das nicht schon kurz nach dem Erstkontakt als “nice try” wieder in der Schublade verschwindet. Und dass das ein tatsächliches Problem darstellt, sieht man ja am Ausbleiben des dramatischen Nutzeranstiegs nach Verfügbarkeit der Raspberry-Pi-Version von RISC OS. Kostenlos verfügbar für Millionen von RPi-Besitzern und -Nutzern, aber kaum jemand nimmt von RISC OS Notiz.

Und so gibt es (mindestens) vier Zielrichtungen des Cloverleaf-Projektes, die m.E. unglücklicherweise alle in derselben Crowdfunding-Kampagne gelandet sind: 1. Die Weiterentwicklung von RISC OS an den diversen neuralgischen Punkten. Diese sind leider zahlreich: WLAN, IPv6, USB3, Bluetooth, UTF-8, Internationalisierung, Cacheing, Dateisystem (Partitionierung, Fremddateisysteme wie exFat und ext2/3), Multi-Core-Unterstützung und natives Multithreading, Security-Features, Prozessisolation, moderne Fontformate, Unterstützung solch schnöder Hardware wie aktuelle Drucker…die Liste ist endlos. 2. Die Bereitstellung neuer Hardware, auf der RISC OS läuft. Das “Kitten”-System ist noch einfach in Reichweite, ist es doch schlicht ein Raspberry Pi 4 in einem schicken Gehäuse. Bei Puma, Laptop und All-in-one-System sieht es aber schon anders aus: auf Basis eines Rockchip-SoCs, dazu noch mit Mali-GPU, das ist um zwei bis drei Größenordnungen anspruchsvoller. 3. Die Bereitstellung von Software, damit zumindest für den “normalen” Benutzer keine allzu großen Lücken bestehen in dem, was man so täglich nutzt. Und das beginnt beim modernen Browser und hört bei der Office-Suite und einer Bildverarbeitungssoftware noch lange nicht auf. Selbst in Bereichen, wo RISC OS Mitte bis Ende der 90er noch recht gut aufgestellt war – Musik, E-Mail, DTP – gibt es heute entsetzliche Lücken. 4. Die Bereitstellung einer “Cloverleaf RISC OS-Distribution” für alle RISC OS-Systeme vom Emulator (RPCEmu) bis zum Raspberry Pi.

Die ganze Kickstarter-Beschreibung liest sich wie ein Wunschzettel, der herauskommt, wenn man 100 RISC OS-Benutzer fragt, was ihres Erachtens das größte Problem der Plattform ist. Die Kickstarter-Kampagne läuft damit Gefahr, es allen recht machen zu wollen. Kein Fokus. All things for all people. Keine klare Message, keine klaren Ziele.

Es soll das niemand falsch verstehen. Alle diese Ziele sind valide. Sie werden gebraucht. Sie müssen umgesetzt werden. RISC OS hat eine Menge aufzuholen gegenüber anderen Betriebssystemen, und die genannten Dinge sind nur ein Anfang. Aber die Frage ist: kann man eine solche Diversität an Zielen sinnvoll und klar kommunizieren? Das Feedback sagt m.E. eher: nein, es ist zu komplex, es ist zu erklärungsbedürftig, es ist zu unübersichtlich. Schon das Feedback in Richtung “warum werden dort Sachen verkauft, die doch eigentlich kostenlos sind” zeigt das Problem. Oder die Frage, ob es dann ein “Cloverleaf RISC OS” gibt als Fork des altbekannten “RISC OS 5”. Oder die Frage, ob die angedachte Multi-Core-Unterstützung in Konkurrenz zu den bisherigen Bemühungen von Jeffrey Lee stehen (Antwort: nein, es SIND die Bemühungen von Jeffrey Lee, die im Rahmen der Cloverleaf-Ziele direkt verwendet werden sollen!). Oder die Frage, warum man 300€ für einen RPi 4 im schicken Gehäuse zahlen soll (Antwort: es ist Crowdfunding um RISC OS weiterzuentwickeln, nicht ein schnöder Hardware-Verkauf!).

Aus meiner Sicht war es höchste Zeit, dass jemand die RISC OS-Szene mit neuen Ideen aufmischt. Stefan verwendet hier einen eher managementorientierten Ansatz, was ihn deutlich vom “üblichen”, eher ingenieurs-bis-bedenkenträgerischen RISC OS-Ansatz abhebt, und vermutlich eckt er deshalb auch öfter mal an oder kann sein Anliegen nicht so klar und trotzdem diplomatisch formulieren, dass es breit verstanden wird. Stefan hat erkannt: um in endlicher Zeit Nägel mit Köpfen machen zu können, braucht es neue Leute. Neue Entwickler und neue User. Am einfachsten findet man neue User, wenn man ihnen interessante Produkte anbietet oder mindestens in Aussicht stellt. Am einfachsten findet man z.B. Entwickler, wenn man ihnen Geld bezahlt. Heraus kam mit ChatCube eine RISC OS-Anwendung, die von Entwicklern geschrieben wurden, die völlig ohne RISC OS-Vorkenntnisse an die Sache herangegangen sind. Es ist der Beweis, dass die Herangehensweise funktioniert. Ob sie auch für das OS selbst funktioniert, bleibt abzuwarten. Und ob am Ende die Bemühungen in einen signifikanten Anstieg an RISC OS-Nutzern münden – schön wäre es. Aber wetten würde ich nicht drauf. Seit Acorn-Zeiten wird versucht, diverse RISC OS-Merkmale zur Besetzung von Nischen gewinnbringend einzusetzen. Besonders erfolgreich war man damit zu keiner Zeit.

Erfrischend finde ich, wie Cloverleaf die “neuen Medien” für sich nutzt. Ob Facebook-Gruppe oder Kickstarter, oder auch ChatCube als Telegram-Client – da weht gar ein Hauch von Modernität durch die angestaubten RISC OS-Hallen.

Weil ich ein prinzipiell detailversessener Mensch bin, stören mich allerdings auch diverse Kleinigkeiten am Cloverleaf-Auftritt, die aus meiner Sicht unsauber und damit unnötig angreifbar sind. Und für nicht-RISC OS-Experten auch irreführend sein könnten. Zum Beispiel die Screenshot-Seite – wäre hier nicht ein Hinweis vonnöten, dass die dort gezeigte Software teilweise kommerziell und nicht ganz billig ist? “Excellent for Retro Gaming” – in welcher Hinsicht, außer klassische RISC OS-Spiele, wäre das denn tatsächlich der Fall? Wäre es nicht gut, präzise auszuführen, was denn nun Cloverleaf anschieben und machen will, und was eh schon anderweitig auf dem Weg ist? Wäre es nicht hilfreich, die genaue Position im RISC OS-Universum zwischen beispielsweise RISC OS Open Ltd., RISC OS Developments, R-Comp, Elesar und RISC OS Direct zu definieren? Oder die Liste der “available software” auf der Kickstarter-Seite – Impression Style als 26bit-Software aufzuführen, die bekanntlich nur unter Aemulor dreht, ist schon etwas verwegen. Dazu der hohe “Rauschanteil” auf der Kickstarter-Seite – warum die vielen Dinge nennen, die einen Menschen aus der Zielgruppe “neuer potenzieller Benutzer” überhaupt nicht interessieren oder zumindest gar nichts sagen – PlingStore, Packman, …. Oder warum wird eine mögliche klare Message verwässert durch Nichtigkeiten wie “ein freies Exemplar des Archive-Magazins” oder “ein Cloverleaf-T-Shirt” oder “ein RISC OS-Einsteiger-Buch”? Und auch das Loblied auf die RISC OS-Fonttechnologie wirkt doch seltsam aus der Zeit gefallen, haben hier doch alle anderen Plattformen RISC OS schon lange überholt. Seit ungefähr 20 Jahren.

Am Ende überwiegt aber mein Optimismus, dass diese neue Herangehensweise durchaus von Erfolg gekrönt sein kann. Und das Schöne am Crowdfunding ist ja, dass das persönliche Risiko eng begrenzt ist, und trotzdem im Erfolgsfall eine schöne Summe zustande kommen kann, mit der einiges bewegt werden kann. Wie gesagt, die Ziele an sich sind absolut valide. Und deshalb werde auch ich eine der Kickstarter-Optionen von Cloverleaf unterstützen. Ich weiß nur noch nicht welche. Die Timeline halte ich für sehr optimistisch, das ist kaum zu schaffen, egal wieviel Geld man in die Sache investiert – Softwareentwicklung ist nicht beliebig parallelisierbar, und im RISC OS-Universum müssen teilweise erst mal mühsam die Basics geschaffen werden (z.B. Entwicklerwerkzeuge) von einer sehr begrenzt verfügbaren Anzahl von kompetenten Entwicklern, bevor man an andere Aufgaben gehen kann. Und dennoch: ich bleibe optimistisch. Wer es versucht, kann scheitern. Wer es nicht versucht, ist schon gescheitert.

Übrigens ist auch dieser Blogbeitrag ein schönes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, komplexe Sachverhalte klar und verständlich zu beschreiben. Beim nochmaligen Durchlesen bleiben dann doch Zweifel…

(Nicht mehr ganz so) Neues von der RISC OS London Show 2020

Die jährlich stattfindende RISC OS London Show wurde 2020 als “virtueller” Event in Form eines Zoom-Meetings abgehalten, mit YouTube-Livestreams für diejenigen, die nur “konsumieren” wollten und nicht aktiv partizipieren. Die Idee war, die beliebten “Show Theatre Presentations” remote abzuhalten – mit physischem Kauf toller Produkte hat man virtuell ja immer noch keine befriedigende Lösung gefunden, aber verschiedene Präsentatoren erwähnten als Ersatz “Show Price”-Aktionen, um dem sonst gewohnten Messe-Feeling etwas näher zu kommen.

Der Livestream ist für Interessierte natürlich immer noch bei YouTube abrufbar, einfach die Show-Website besuchen.

Was wurde an Neuigkeiten vorgestellt? Hier der Schnelldurchlauf, mit Fokus auf den Themen, die ich persönlich für interessant halte. Subjektiv, wie immer.

Elesar/Robert Sprowson zeigte Neuigkeiten in Prophet, einem Software-Paket für die Buchhaltung und Abbildung von typischen Business-Prozessen für kleine Unternehmen. Logischerweise nahe an den Erfordernissen bezüglich “Tax system in UK”. Ebenfalls gezeigt wurden diverse Hardware-Erweiterungen für den Pi im “HAT”-Format wie dem parallel/serial-HAT und dem Wifi-HAT. Natürlich jeweils mit allen notwendigen Hardware-Treibern für den Einsatz unter RISC OS. Wer also seinen alten 9-Nadel-Drucker an den Pi anschließen will…Sprow scheint einen gewissen Hang zu Parallelports zu haben, auch für das Titanium-Board gibt es eine PCI-Express-Karte mit Parallel-Port und passendem Treiber. Und wenn ich mich recht erinnere gab es früher von ihm auch eine PCI-Karte für den IYONIX.

Stefan Fröhling vom Cloverleaf Project stellte die Projektziele und die (damals noch: anstehende, aktuell: gerade gestartete) Kickstarter-Kampagne für das Projekt vor. Dazu werde ich demnächst einen eigenen Artikel veröffentlichen, da es sehr viel Unklarheiten rund um dieses Projekt sowie Kickstarter-Kampagnen generell zu geben scheint.

Phil Pemberton erzählte von den Bemühungen der ABug (Acorn and BBC User Group), sich um das Thema “Software Preservation” für RISC OS zu kümmern. Während Jon Abbott ja das Thema “Spiele” mit JASPP vorbildlich gemeistert hat (bzw. immer noch meistert, weil noch lange nicht alle alten Spiele für die Öffentlichkeit frei zugänglich sind) und gar mit ADFFS einen nahezu perfekten Emulator für den Raspberry Pi geschaffen hat, der die problemlose Ausführung der alten Schätze auf neuer Hardware ermöglicht, gab es bisher beim Thema Anwendersoftware eine große Lücke. Phil zeigte eine sehr professionelle Präsentation mit vielen Details bezüglich der Vorgehensweise (z.B. in welcher Struktur man sowas wie Zeitschriften, Handbücher, Softwareverpackungen, Diskettenlaben usw. sichert), der Ziele und der Schwierigkeiten. Cool auch, dass direkt in der anschließenden Diskussion John Cartmell, ehemals Macher von Qercus, die Erlaubnis gab die alten Ausgaben dieser Zeitschrift öffentlich verfügbar zu machen. Die Präsentation ist hier separat verfügbar.

Danach kam Andrew Rawnsley mit dem Doppelschlag – sowohl RISC OS Developments als auch R-Comp. Da gehe ich aufgrund der Breite der Themen etwas genauer drauf ein.

Das größte und m.E. wichtigste Projekt von RISC OS Developments ist momentan der “Iris”-Browser. Basierend auf WebKit, ist es im Gegensatz zu den “plain ports” wie Otter-browser und QupZilla ein “polished port”, also ein echtes RISC OS WIMP-Programm, das WebKit nur zum Rendering der Webseite an sich nutzt und sich sauber in das Betriebssystem einklinkt. Das sieht alles sehr vielversprechend aus, aber leider tut es das auch schon sehr lange, ohne dass bisher für den Normalbenutzer eine Version verfügbar gemacht wäre. Im Moment ist Iris nur in den Händen der RISC OS Developments-Shareholders, vor Weihnachten soll es an die OBrowser-Nutzer gehen, wann es dann allgemein verfügbar ist, weiß noch niemand. Ich verstehe diese Vorgehensweise durchaus, denn man will etwas bekannt Unfertiges nicht einfach in der Breite ausrollen – und eine Entwicklerversion ist natürlich etwas anderes als eine sorgfältig getestete, stabile und runde Produktivversion die man gerne verteilen würde. Aber es ist dahingehend frustrierend, dass man weiß, dass es da etwas schon ganz gut Funktionierendes gibt, man es aber nicht ausprobieren kann. Mastermind hinter Iris ist Lee Noar, der sich rund um GCC und ELF-Support verdient gemacht hat und von dem auch die Qt-Portierung stammt, die für Otter und QupZilla ja die Grundlage darstellt. Lee ist ebenfalls dabei, GCC 8.2 und GCC 10 an den Start zu bringen, und Iris ist quasi das Pilotprojekt dafür.

Pinboard 2.0 war sein nächstes Thema, eine Evolution des Pinboards das uns seit Urzeiten (RISC OS 3.1?) begleitet. Es ist Teil der Bemühungen, gewisse Workflows die man von anderen Betriebssystemen her kennt auch unter RISC OS verfügbar zu machen, z.B. das direkte Speichern von Dateien auf den Desktop wie unter Windows. Aus meiner Sicht ein guter Schritt in Richtung mehr Usability. Manche – vor allem die alten RISC OS-Hasen – mögen solche Bemühungen geringschätzen, ich finde sie hingegen sehr lobenswert. Wer schon einmal gesehen hat, wie schwer sich manche Windows- und Linux-Benutzer tun, wenn sie mit RISC OS arbeiten wollen, sieht sicher die Notwendigkeit ein, diverse Dinge von diesen Systemen zu übernehmen, ohne das bekannte RISC OS-Look&Feel grundlegend zu ändern. Je kleiner der Bruch ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ein Benutzer zumindest ab und zu RISC OS als das richtige Betriebssystem für gewisse Tätigkeiten nutzen will. Und auch für Menschen wie mich, die nicht die Hauptzeit mit RISC OS verbringen sondern mit Windows und Linux, ist eine gewisse Angleichung von Vorteil. Pinboard 2.0 ist gerade im Test, wer mithelfen will kann Andrew mailen. Auf Sicht soll Pinboard 2.0 auch für alte RISC OS-Versionen zur Verfügung stehen (zumindest RISC OS 4, wie Andrew sagte).

RISC OS Direct wurde ebenfalls angesprochen mit dem kommenden Update für das Raspberry Pi 4. Wer es nicht weiß: es handelt sich hier um eine RISC OS-Distribution basierend auf dem gewohnten Harddisc-Image von RISC OS 5 wie man es von ROOL herunterladen kann, aber mit einer Menge zusätzlicher kostenloser Software und diversen Erleichterungen für den Neueinsteiger. Verfügbar ist das ganze als Ready-to-run-Image, das man einfach auf eine 16GB-microSD-Karte schreibt und in den Pi steckt. Es gibt auch eine Reihe von Erklärvideos dazu, die den Einstieg erleichtern sollen. Schöne, unkomplizierte Sache für Neueinsteiger.

Dann eine aus meiner Sicht besonders schöne Neuigkeit: das lang ersehnte Update des RISC OS TCP/IP-Stack. Basierend auf dem aktuellen OpenBSD-Stack, ist es ein wichtiger “Enabler” für diverse Dinge wie IPv6 und WLAN/Wifi. Besonders wichtig: aus Sicht der Anwendungssoftware sollte der Wechsel des Stacks komplett transparent sein, alles funktioniert wie vorher. Nur besser. Der derzeitige Stand ist “ping tut, NetSurf tut”. Wenn alles glatt läuft, wird der Stack seinen Weg ins “normale” RISC OS 5 finden. Wann das sein wird – man wird sehen. Der Netzwerk-Stack ist natürlich ein sensibles Teil, da sollte man am Testaufwand nicht sparen. Laut Andrew wird der neue Stack von einem “commercial customer” finanziert, d.h. das existierende Bounty bei ROOL muss nicht angekratzt werden. Ich hoffe, dass – sofern die Qualität stimmt – es dann keine Schwierigkeiten gibt bei der Integration in RISC OS 5 durch ROOL.

Eine ganz andere gute Nachricht, aber auch passend dem Netzwerk-Thema, ist das Open-Sourcing von LanMan98, dem guten alten LanMan-Client (LanMan als Synonym für SMB, Samba, CIFS…) mit Warm Silence Software-Vergangenheit. Der Quellcode sollte demnächst verfügbar sein. Leider kommt das ein paar Jahrzehnte zu spät, weil dank vor allem Colin Granville der klassische LanManFS-Code, der Teil von RISC OS 5 ist, inzwischen dieselben Features unterstützt. Gemeinsam ist beiden, dass sie mit aktuellen Authentifizierungsmethoden im SMB-Universum nichts anfangen können, was die Nutzung z.B. gegen Windows 10 oder aktuelle NAS-Systeme immer schwieriger macht. Da muss noch Arbeit geleistet werden.

Dann: Python 3. Chris Johns ist gerade dabei, Python 3 zu portieren und sicherzustellen, dass es sich nahtlos in RISC OS integriert, ähnlich wie es zuvor Dietmar Schwertberger mit Python 2 gelungen war. Das sieht alles schon recht gut aus, auch wenn mich die Performance beim ersten Draufschauen nicht umgehauen hat. Aber das gilt ja fast systemübergreifend. Schwierigkeiten machen natürlich die “nativen” Bibliotheken, die normalerweise nur für x86/x64 zur Verfügung stehen. Prinzipiell ist es natürlich wünschenswert, eine so weit verbreitete Sprache wie Python unter RISC OS verfügbar zu haben – im Moment gibt es ja mit RiscLua und BBC BASIC nicht unbedingt die großen Kracher.

Kurz gestreift wurde auch das Thema “RISC OS auf AArch64”, ohne hier die große neue Idee einzubringen. Vermutlich, weil es diese Idee niemals geben wird – RISC OS in die 64bit-Welt zu bringen wird harte Arbeit werden, und es wird eine virtuelle Maschine benötigen, um den alten Code unfallfrei laufen zu lassen. Ein nettes Arbeitspaket für 10 Jahre auf einer einsamen Insel.

Unter der R-Comp-Flagge stellte Andrew diverse neue Hardware vor. Der 4té ist eigentlich “nur” ein nettes Gehäuse für den RPi 4 mit dem üblichen R-Comp-Service inklusive – Disc-Image, einfacher Update-Mechanismus für OS- und Anwendungsupdates, und eine Reihe von gebundelter Software sowie der persönlichen Support-Note. Natürlich nicht ganz so preiswert wie die nackte RPi 4-Platine, aber in der Range der RISC OS-Systeme von R-Comp der Preisbrecher. Wenn man seinen existierenden RPi 4 bereitstellt, gibt es auch einen schönen Rabatt.

Ein weiteres Stück Hardware hört auf den Namen “TiX Duet”. Im Prinzip ein ATX-Gehäuse, in dem sowohl ein Titanium-Board als auch ein “normales” PC-Board lebt. Komplett “built to order”, d.h. man kann sich die Komponenten selbst aussuchen, die man auf der PC-Seite gerne haben will. Hier ist mir die Zielgruppe nicht ganz klar – die Systeme teilen außer Gehäuse und Netzteil ja keine gemeinsamen Komponenten, d.h. außer “es ist nur ein Gehäuse” ist so direkt jetzt kein Vorteil zu erkennen gegenüber zwei separaten Maschinen. Bei denen man dann statt des Titanium ja auch einen preiswerten Pi 4 verwenden könnte, der CPU-technisch auch noch schneller ist. Und 4K-Auflösungen unterstützt. Aber einen Vorteil hat der “TiX Duet” für die reinen Anwender schon: denn R-Comp bundelt natürlich diverse Software vorkonfiguriert mit, z.B. UniPrint, UniScan, UniLaunch, UniClip, LanMan98 und eine VNC-Lösung um von einem System auf das andere zuzugreifen. Bis man das selbstkonfiguriert am Laufen hat, kann das schon ein wenig dauern. Und Zeit ist bekanntlich auch Geld.

Beim ARMBook, dem ersten nativen RISC OS-Laptop (basierend auf dem Pinebook) seit dem Acorn A4, zeichnet sich laut Andrew ein Lieferengpass ab, weil die Produktion zum Pinebook Pro hin verlagert wird – dafür gibt es aber noch kein angepasstes RISC OS, weil es auf einem anderen SoC basiert (RockChip RK3399 statt Allwinner A64). R-Comp hat aber noch ein paar Exemplare auf Lager.

RISCube, SpaceCube und RISCbook wurden auch kurz erwähnt, aber PCs mit RISC OS-Emulator finde ich nicht so spannend. Interessant war die Aussage von Andrew, dass die PC-als-RISC OS-Maschine-Produktlinie immer noch 50-60% der verkauften Hardware ausmachen. Das finde ich deshalb interessant, weil dort der Mehrwert ja noch viel schwerer zu erkennen ist als bei Geräten wie dem ARMX6 oder dem ARMBook. Man steckt halt nicht drin im Briten.

Software war auch am Start bei R-Comp. Die neue FireworkzPro-Version kann nun vernünftig OLE, das erleichtert den Datenaustausch mit anderen Programmen um beispielsweise Tabellen in Techwriter oder Impression zu importieren.

Der Folgevortrag von David Herreros Cerro von der Universität Cantabria aus Spanien handelte von !UCDebug, einem Debugger für ARM-Assembler-Code, natürlich unter RISC OS. Die Software wird an dieser Uni verwendet, um den Studenten Low-Level-Programmierung auf dem Raspberry Pi nahezubringen. Das gerade unter RISC OS zu tun ist natürlich exotisch, für die RISC OS-Community aber super, weil dieses schöne Stück Software dabei abgefallen ist. Das Projekt wird auf GitHub veröffentlicht und gepflegt. Als jahrzehntelanger Assembler-Abstinenzler (zuletzt größere Assembler-Dinge waren in Z80-Assembler und dann noch ein klein wenig HP-PA-RISC-Assembler an der Uni, ARM-Assembler habe ich nur oberflächlich kennengelernt und mein Glück dann stattdessen in Hochsprachen gesucht) kann ich bezüglich Nützlichkeit leider keine Auskunft geben.

RISCOSbits kam danach. Eine unglaubliche Anzahl von Gehäusen rund um RISC OS-taugliche Entwicklerboards, sehr kreativ und durchaus nicht teuer. Mit wunderbaren Namen wie “Deuce”, “Thorin”, “Slim Jim”, “Delta”, “Ghostly” und “Disq”. In den meisten Fällen sind noch Adapterplatinen dabei, damit alle Ports auf einer Seite zur Verfügung stehen anstatt “rundrum” wie es beispielsweise beim Pi und anderen kleinen, kompakten SBCs üblich ist.

Steve Revill von RISC OS Open Ltd. gab den Schnelldurchlauf rund um die Bemühungen, RISC OS 5 als Open Source-Projekt in die Zukunft zu begleiten. Das Bounty-System war altbekanntes Terrain mit kurzem Überblick über die derzeit aktiven Bounties von !Paint-Verbesserungen bis zu PNG-Export. RISC OS 5.28 hatte ich schon anderswo thematisiert – die Kurzfassung: “läuft prima auf dem Pi 4”. DDE30 war auch Thema, der gute alte Norcroft C-Compiler hat den Umgang mit C17 gelernt, dem neuesten Standard im C-Universum – verwirrenderweise erst im Juni 2018 finalisiert d.h. von der ISO publiziert, da ist der Name mal nicht Programm (und um die Verwirrung noch zu steigern, reden viele Leute trotzdem von C18, aber Wikipedia liegt diesmal richtig mit C17). Ein kurzer Ausblick in die Zukunft von RISC OS rundete den Vortrag ab und streifte auch altbekannte Themen getreu der Weisheit “Die wirklich großen Probleme haben keine Lösung, sondern Geschichte”: Multi-Core-Unterstützung, Multi-Monitor-Unterstützung, Erweiterungen in BBC BASIC bezüglich Strukturen (also quasi Record-Typen) und dynamischer Speicherallokation. Und zum guten Schluss die 32bit-64bit-Transformation, die in den nächsten Jahren (oder Jahrzehnten?) ansteht. Schwieriges Thema. Es wird sich nicht von allein und auf magische Weise lösen, jede denkbare Lösung hat auch gravierende Schwächen, solange man nicht mindestens die Ressourcen von Apple auf das Thema ansetzt – siehe deren Transformation von 680×0 nach PowerPC, von PowerPC nach x86/x64, und jetzt von x86/x64 nach AArch64.

Matthew Phillips von Sine Nomine Software präsentierte hauptsächlich Erweiterungen für RiscOSM, der “OpenStreetMap”-Anzeigesoftware für RISC OS. Neu verfügbar dafür ist nun !Recce, ein Zusatztool um Geolocation-Metadaten rund um Karten anzuzeigen wie Google Streetview- und Flickr-Bilder. Da kann ich wenig weiter Erhellendes dazu beitragen. RiscOSM befindet sich seit 2014 in aktiver Entwicklung, wer sich dafür interessiert sollte sich das anschauen, aber auch Thomas Milius’ MapView nicht vergessen. Sine Nomine hat auch freie Software im Angebot, ein Besuch der Website lohnt sich.

Steve Fryatt stellte diverse Software vor, die entweder aus seiner Feder stammen (Launcher, Clipboard-Tools) oder deren Wartung er übernommen hat (WinEd – ursprünglich von Tony Houghton, dann gepflegt von Adam Richardson). Was mich daran erinnert, mal vom altbewährten TemplEd auf WinEd umzusteigen. Und Launcher sieht durchaus so aus, dass es irgendwann das altbewährte AppDock auf meinem Desktop mal ablösen könnte. Sehr interessant sind seine Bemühungen, alle seine Open-Source-Software als “turnkey buildable” auf GitHub zur Verfügung zu stellen. Jeder, der schon mal versucht hat, irgendeinen Quellcode durchzubauen, der in früheren Tagen immer nur aus dem Buildsystem des jeweiligen Entwicklers auf genau dessen Rechner herausgefallen ist, versteht die Komplexität dieses Unterfangens und wünscht ausreichend Geduld und Engagement, um das wirklich idiotensicher bereitzustellen.

Vince M Hudd von Soft Rock Software, inzwischen hauptsächlich bekannt für RISCOSitory als News-Seite rund um RISC OS und jährlicher Veranstaltungsort für die RISC OS-Awards erzählte ein wenig aus der Soft Rock-Vergangenheit und der Software, die dabei entstand.

Den Abschluss machte Chris Evans von CJE Micro’s mit diversen “tollen Dingen zu kaufen” – CJE ist ja bekannt für “we have it in stock”, und hat eine unglaubliche Menge an Hardware und Software im Angebot, manches allerdings zu Preisen die für meinen Geschmack etwas ambitioniert sind. In Deutschland ist der Spitzname glaube ich “Insel-Apotheke”, aber wie bei Apotheken auch gibt es eben Produkte, die es nur dort gibt – oder auf eBay gebraucht und ohne Garantie, wenn mam Glück hat. Jedenfalls hat CJE seit einiger Zeit auch einen Blog, den man sicher ab und an besuchen sollte. Information Overload braucht keiner zu befürchten angesichts der bisherigen Posting-Frequenz von zuletzt einem Artikel pro 2-4 Jahren.

Ich hoffe, das war ein angemessener Überblick mit einigen Details, die sich beim bloßen Anschauen vielleicht nicht direkt erschließen. Und nun einfach nachlesbar sind, wenn einige Details nicht mehr präsent sind – dafür ist schließlich Video als Medium denkbar ungeeignet.

Die finale Nagel’sche Archive-Ausgabe

Vor einiger Zeit – genauer gesagt im März diesen Jahres – erreichte die RISC OS-Szene die betrübliche Nachricht vom Tode von Jim Nagel, Herausgeber der Archive (einem der ältesten Magazine rund um RISC OS, 20 Jahre lang ab 1987 (und damit sogar älter als RISC OS 2) von Paul Beverley herausgegeben und unter anderem bekannt für den “God Slot”) seit 2007 und damit auch schon 13 lange Jahre. Vorher hatte Jim die Acorn-Fahne im “Computer Shopper” hochgehalten, eines der größten IT-Magazine auf der Insel.

Wer es nicht weiß: Jim hatte Verwandschaft in Deutschland und tauchte unter anderem deshalb ab und an auf RISC OS-Treffen hierzulande auf. Ich habe ihn mal auf einem A.U.T.O in Wolfen getroffen und konnte mich länger mit ihm unterhalten – unsere Unterredungen auf Messen auf der Insel waren meist nur ganz kurz, weil er stets in journalistischer Mission unterwegs war. Ein stets angenehmer und sympathischer Zeitgenosse. Nicht zuletzt natürlich, weil er durchaus öfter lobende Worte zu CDBurn fand.

Zurück zur Archive. Nun hat der Rest der Nagel-Familie mit Jims Sohn Bart als Herausgeber die Ausgabe 24:6 fertiggestellt und zum Gedenken an Jim frei zum Download verfügbar gemacht – hier kann man das Exemplar vollständig als PDF in Augenschein nehmen.

Ab der kommenden Ausgabe 25:1 wird Gavin Smith die Archive weiterführen. Ich wünsche ihm alles Gute bei diesem Unterfangen, und möge er zukünftig die korrekte Groß-/Kleinschreibweise von “RISC OS” berücksichtigen, und möge das der einzige Bruch mit der Archive-Tradition sein.

Arcade BBS – A Blast From The Past

Wer schon etwas länger in der RISC OS-Szene dabei ist, und Anfang der 1990er schon im Besitz eines Modems war, dem ist vermutlich die Arcade BBS noch ein Begriff. In den unendlichen Weiten des Fidonets gab es für Acorn-Benutzer im Prinzip drei Hauptanlaufstellen: “The World of Cryton” von Hugo Fiennes (früher bekannt für ARCterm und ARCbbs sowie Inhaber der Firma “The Serial Port”, später dann für den ersten MP3-Player für den Standard-DIN-Schacht eines Autos namens Empeg, noch später bei Apple mit dem iPod zugange, dann bei Google, inzwischen im IoT-Bereich aktiv), “Arcade BBS” von den beiden Daves (David Dade und David Coleman), und ARCpool von Stefan Brück, beheimatet in Wolfsburg. “Mailbox” war der deutsche Begriff für diesen entfernten Vorläufer von Servern im Internet, “BBS” der englische – “Bulletin Board System”.

Die Arcade BBS ist immer noch ein reicher Fundus an Software aus der großen RISC OS-Zeit Anfang/Mitte der 90er und damit ein Eldorado für Classic-Computing-Fans. Im Gegensatz zu anderen Mailboxen hat die Arcade BBS über all die Jahre den Aufstieg des Internets überlebt und sich in die Infrastruktur des Internets integriert – FTP- und Telnet-Zugang standen zur Verfügung.

Der Internetanschluss der Arcade BBS war über Demon Internet realisiert – Demon war früher in England einer der typischen Dienstleister mit starkem technischem Hintergrund, kein Massenhoster mit dicken Leitungen und großen Rechenzentren, sondern echte Experten mit liebevoll gepflegter Infrastruktur und einem offenen Ohr für Randgruppen aller Art. Das ist nun seit einigen Jahren und der Übernahme durch Vodafone Geschichte, die meisten RISC OSler sind längst woanders gelandet, und nun auch die Arcade BBS. Die alte URL ist nicht mehr erreichbar.

Aber: alles neu macht der Mai. Die Arcade BBS ist ab sofort unter http://www.arcade-bbs.net/ erreichbar. Oder per Telnet: telnet.arcade-bbs.net. Oder per FTP ftp://ftp.arcade-bbs.net/.

Viel Spaß bei einem Trip in die gute alte Zeit.

The Icon Bar ist wieder aktiv

Laut eigener Aussage “the longest running RISC OS portal”, hatte “The Icon Bar” in letzter Zeit eine eher sparsame Artikelpublizierfrequenz hauptsächlich bestehend aus Show-Ankündigungen für Wakefield oder die London-Show – nur in den Foren gab es die eine oder andere aktive Diskussion.

Jetzt wurde neue Aktivität entfaltet – 3 Artikel seit dem 30. Oktober sind für RISC OS-Verhältnisse beinahe schon in der Kategorie “hektische Betriebsamkeit” zu verorten. Wäre schön, wenn die Freunde von der Insel generell wieder etwas aktiver werden, in letzter Zeit waren nur noch RISCOSitory und The RISCOS Blog einigermaßen regelmäßig am Start.

Mark Stephens hat das Heft in die Hand genommen und versorgt uns jetzt bei The Icon Bar wieder mit Neuigkeiten. Vorbildlich. Auch wenn noch etwas Verwirrung verbreitet wird bezüglich Fireworkz vs. Fireworkz Pro. Ich habe hier versucht es auseinanderzuklamüsern.

Die gehackte Webpräsenz

Irgendwann zwischen Weihnachten und Neujahr ist es passiert – genauer ließ es sich nicht rekonstruieren. Meine Webpräsenz wurde gehackt. Alle vier WordPressInstallationen und die Drupal-Installation waren betroffen. Die dahinter liegenden Datenbanken waren Gott sei Dank sauber.

Wie äußerte sich der Hack? Einige Benutzer berichteten von Redirects auf Phishing-Seiten, die meisten waren aber nur von schlechterer Performance betroffen, weil in die HTML-Daten JavaScript injected wurde, das auf gewisse Fremdseiten zugriff, die unglaublich schlechte Antwortzeiten hatten. oil-hockey.ch und rardec.co.uk waren darunter. Das verzögerte den Aufbau der Webseiten erheblich.

Klassifiziert war das Problem als “JS:Injection-A” (Avast) oder “Mass Injection Website 19” (Symantec). Für mehr Details hier ein Link zu Symantec. Es dauerte nicht lange, bis die Webpräsenzen bei mindestens einem Dienst (Norton Safeweb) auf der Blacklist standen. Das zieht dann weitere Kreise – vor allem Firmen haben oftmals automatische Verfahren, um Zugriffe aus dem Intranet auf Seiten auf Blacklists zu unterbinden. Gott sei Dank gab es bei Norton Safeweb eine relativ unkomplizierte Möglichkeit, eine Reevaluierung des Zustands zu veranlassen.

Seit einer Woche ist nun wieder alles bereinigt – WordPress- und Drupal-Neuinstallation nebst zwei WordPress-Theme-Wechseln (die alten sind noch verseucht, die muss ich noch aufräumen) hat das Problem gelöst. Dazu natürlich die Routine-Dinge wie Wechseln aller Passwörter. Scheiss-Aufwand, aber man lernt ja was dabei (man soll ja alles positiv sehen).

Ich danke meinen aufmerksamen Blog-Lesern, die mich über das Problem informiert haben, weil ihre Sicherheitssoftware angesprungen ist. Wer seine Webpräsenz schnell online auf Malware checken will, dem sei der Online-Security-Scanner von Sucuri empfohlen.

Und was lernt man daraus? Früher war alles besser – da hätte man schnell ein paar alte Versionen der HTML-Dateien eingespielt und fertig wäre die Säuberungsaktion. In der heutigen Welt der CMS-Systeme mit ihrem üblen PHP-Verhau dauert eine Analyse viel länger. Und: nur weil eine Webpräsenz eine überschaubare Anzahl Besucher hat – man sollte also denken, dass so ein Hack ein wirklich schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis hat – heißt das nicht, dass nicht doch ein paar üble Gesellen Hand anlegen. Abgesehen davon ist es nie schlecht, regelmäßig Backups zu machen – ok, das ist eine IT-Binsenweisheit, das sollte man schon vorher gewusst haben.

Frohes Fest

Ich wünsche allen meinen Lesern – die sich allein deshalb glücklich schätzen können, weil sie zu einem ganz kleinen elitären Kreis gehören, noch kleiner als von RISC OS gewöhnt – ein Frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Wir dürfen gespannt sein, was 2016 so bringt. Auf meinem Wunschzettel:

  • neues CDVDBurn-Release
  • Basis-Multicoreunterstützung in RISC OS
  • die Vervollständigung der 32bit-ung von Impression-X
  • Runderneuerung der Filesystem-Architektur in RISC OS (nicht nur dieses)
  • BeagleBoard-X15 mit RISC OS-Port

Leider werde ich maximal auf Punkt 1 Einfluss nehmen können, aber zumindest da tue ich mein Bestes.

GAG-Treffen 2015

Vergangenes Wochenende war mal wieder GAG-Treffen in Siek, und traditionell war ich wieder mit dabei. Inzwischen ist das GAG-Treffen beinahe die einzige Möglichkeit in Deutschland, Gleichgesinnte in Sachen RISC OS persönlich zu treffen – dies auch ein Hinweis auf die Jungs von der Arche e.V., mal wieder ein Treffen im Unperfekthaus zu organisieren. Und vielleicht sogar einen Hinweis an mich selbst, ein allerletztes Treffen im wilden Süden zu veranstalten?

Jedenfalls ist das GAG-Treffen für mich immer eine Chance, lange aufgeschobene Dinge in Angriff zu nehmen. Diesmal auf der Tagesordnung stand z.B. der Otter-Browser (eine Qt-WebKit-Portierung), den ich einer intensiven Prüfung unterzog. Performance ist hier das große Thema, denn für RISC OS-Verhältnisse ist die Software riesig – der Startup dauert ewig (Raspberry Pi 2 mit schneller SD-Karte: knapp 30s), was nicht zuletzt an der neuen Welt der Shared Libraries liegt – viele kleine Dateien dauern eben länger als eine große Datei. Hier kann der Einsatz der RAM-Disc Wunder bewirken, was wieder mal zeigt, dass das ganze File-IO-Thema unter RISC OS dringend einer grundlegenden Überarbeitung bedarf – anständiges Buffering und Cacheing wären ein guter Anfang. Etwas frustrierend war die Tatsache, dass wir den Otter nur auf dem RPi 2 zum Laufen bekommen haben, nicht jedoch auf PandaBoard und IGEPv5. Grund weiterhin unklar.

Prinzipiell halte ich den Otter-Browser für einen großen Schritt in die richtige Richtung, auch wenn die derzeitige Lösung noch stark holpert. Die Frage ist, ob man auf der Qt-Basis eine performante und anständig in RISC OS integrierte Lösung ans Laufen bringt, oder ob man das große Rad drehen und WebKit direkt an RISC OS anflanschen muss.

Genug von der Browser-Geschichte. Ein Highlight war die Kurzdemo der neuen Khronos-Library, die von Lee Noar entwickelt wurde und die praktisch ein Wrapper-Modul um Linux-Code ist, der diverse Hardware-Features des Raspberry Pi (alle Varianten) zur Verfügung stellt, darunter Video-Overlays und Open GL. Die verfügbaren Beispiele sind noch sehr rudimentär und durchaus absturzwillig (wobei dann das Overlay erhalten bleibt und nur ein Reset hilft), aber die Software ist noch jung, gerade mal seit etwa einer Woche in der mehr oder weniger freien Wildbahn.

Ich widmete mich auch noch intensiv einer anderen Front: Emulation. ADFFS, ArchiEmu und ArcEm standen auf dem Programm. ADFFS war ein kompletter Fehlschlag – ich konnte keines der angeblich auf dem Pi unterstützten Spiele zum Laufen bringen, und finde das Handling zum Starten der Spiele sehr unergonomisch. Ich werde mich dieser Tage mal ins JASPP-Forum begeben, um die Probleme aufzuarbeiten. ArchiEmu habe ich nur kurz angetestet, hier erntete ich nur direkte Abstürze. ArcEm war etwas vielversprechender, aber die Ergonomie ist stark suboptimal – so muss man z.B. zu verwendende Floppies und Harddiscs nach einer bestimmten Konvention benennen, um sie verwenden zu können. Und es ist mir nicht gelungen, den selbstextrahierenden SparkPlug unfallfrei auf die emulierte MFM-Platte zu bekommen. Immerhin hat der Boot sowohl nach RISC OS 2 als auch RISC OS 3.10 geklappt. Ich denke, darüber gibt es mal einen eigenen Blog-Artikel.

Den ARMX6 (i.MX6-Basis) gab es ebenfalls zu sehen. Sauschnell (vor allem in Sachen Platte – S-ATA statt USB zahlt sich aus), aber eben leider mit dem üblichen üblen R-Comp-Preisaufschlag. Und wie sich rausgestellt hat gibt es doch an der einen oder anderen Stelle noch Kompatibilitätsprobleme zu beheben, aktuell macht Photodesk Probleme.

Nein, liebe c’t, RISC iX war nie im ROM

Über merkwürdige Wege bin ich neulich auf einen Artikel über die ARM-Historie in der c’t gestoßen – schon sehr alt, von 2002 um es genauer zu sagen. Aber Fehler veralten ja nie, und so ist es mir ein Bedürfnis, der Welt mitzuteilen, dass die Idee, dass der R140 mit RISC iX im ROM ausgeliefert wurde, natürlich komplett absurd ist. RISC iX war schon immer nur auf der Platte, es wurde schon immer über RISC OS gestartet, welches das OS im ROM war.

Die Unschärfe beim Thema Lander und Zarch ist man inzwischen fast schon gewohnt, genauso wie kreative Schreibweisen wie RISC-PC oder RISC-OS. Und nein, es war nicht der “Cambridge Ring”, der von Acorn primär als Netzwerk bei den 6502-basierten Modellen verwendet wurde, sondern das gute alte Econet. Auch wenn es mal eine Broschüre von Acorn zum Cambridge Ring gab.

Bei dieser Gelegenheit habe ich auch den bisher einzigen Kommentar (von 2014) zum Artikel gelesen und mit einigen korrigierenden Hinweisen  versehen. Leute kommen ja auf Ideen…und die Amiga-Fraktion war bezüglich ihrer Brillen-Rosafärbung schon immer ganz vorne dabei.

Frohes Fest und guten Rutsch

Ich wünsche allen Lesern des hubersn.RISC OS-Blogs ein Frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ich hoffe, ich kann Qualität und Frequenz der Blogeinträge auch in 2015 halten oder sogar ausbauen. Mit dem Start als Neublogger in 2014 bin ich soweit ganz zufrieden, ich hoffe meine Leser sind es auch. Anregungen und Kritik gerne jederzeit per Kommentar oder per Mail.